2. Blaue Stunde

Vortragsveranstaltung mit dem Militärrabbiner Nils Ederberg

Die „Blaue Stunde“ beim Aufklärungsbataillon 6 ist eine Informationsveranstaltung am „frühen Abend – zur blauen Stunde“ mit Offizieren und Feldwebeln des Bataillons und militärischen und zivilen Gästen. Ziel und Zweck ist die Information und das Gespräch über politische, militärische, gesellschaftliche oder andere aktuelle Themen. Am 20.11. fand die Blaue Stunde 2-2025 statt, zu der sich rund 70 Teilnehmer angemeldet hatten. Zum Thema “Jüdisches Leben in Deutschland – 2 Jahre nach dem 7.Oktober 2023“ war Militärrabbiner Nils Ederberg eingeladen, einer von aktuell 5 Militärrabbinern in der Bundeswehr mit Sitz in Hamburg an der FüAk und zuständig für die 5 norddeutschen Küstenländer NS, MV und SH sowie die Stadtstaaten Bremen und Hamburg.

Seit 2021 wird in der Bundeswehr die Jüdische Militärseelsorge aufgebaut, mittlerweile befindet sich die Zentrale des Militärrabbinats in Berlin-Mitte. Militärrabbiner Ederberg erläuterte in seinen Ausführungen seine Aufgaben im Rahmen der Militärseelsorge. Neben der Katholischen und der Evangelischen Militärseelsorge ist sie die dritte Institution innerhalb der Bundeswehr, die das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Religionsausübung für alle Soldatinnen und Soldaten gewährleistet. Selbstverständlich stehen wir Militärrabbiner für Gespräche über alles, was unsere Soldatinnen und Soldaten bewegt, zur Verfügung. „Wie die anderen Militärseelsorgen sind wir genauso seelsorgerische Ansprechstelle für alle Kameradinnen und Kameraden, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, zu Hause im Standort und auch im Auslandseinsatz.“ Eberburg betonte aber auch, dass eine wesentliche Aufgabe darin besteht, jüdische Soldatinnen und Soldaten bei ihrer Religionsausübung zu unterstützen. Wir helfen etwa bei der Bereitstellung koscheren Essens, kümmern uns um die religiöse Lehre oder wir unterstützen bei der Begehung jüdischer Feiertage. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Durchführung des sogenannten „Lebenskundlichen Unterrichts (LKU oder LeKU). Er wird in der Regel durch die Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger der verschiedenen Religionen erteilt. Er ist verpflichtend für alle Soldatinnen und Soldaten, weil er ein Werteunterricht ist, bei dem es vor allem um die Stärkung des Demokratieverständnisses und des inneren Wertebilds jeder Soldatin und jedes Soldaten geht. „Uns ist ganz wichtig, dass wir im Lebenskundlichen Unterricht mit allen Soldatinnen und Soldaten Lehrinhalte wie Menschenwürde oder Freiheit und Demokratie aus ethischer Sicht diskutieren“. Wir pflegen den interreligiösen Dialog, besonders mit den Vertreterinnen und Vertretern der Evangelischen und Katholischen Militärseelsorgen, und arbeiten eng mit anderen Dienststellen zusammen.“

Zur Frage nach „jüdischem Leben in Deutschland“ verwies Ederberg darauf, dass Antisemitismus wieder zugenommen habe, aber dies ist kein deutsches Phänomen, sondern ist überall feststellbar. Juden geben sich seltener als Juden zu erkennen. In der anschließenden Diskussion zur Entwicklung jüdischen Lebens und Denkens nach dem 7. Oktober oder zur Härte des israelischen Vorgehens im Gaza-Streifen musste festgestellt werden, dass es keine einheitliche Aussage dazu gibt – weder in Israel noch in jüdischen Gemeinden außerhalb Israels. Einig ist man aber, dass man für freies Denken und Handeln nicht von Externen abhängig sein darf.

Der Kommandeur bedankte sich nach dem Vortrag und den freimütigen Antworten auf die verschiedenen Fragen mit einem Wein mit dem Konterfei und dem Leitmotiv von Oberst Herrmann: „Kinners – wir sind nicht besser als die Anderen – wir sind nur anders“.

Hptm Maximilian K.