EUTINER HUSAREN

bei der „Ausbildungs- und LehrÜbung „Übergang über Gewässer“

Zur Schaffung von Bildern für realistische und praxisnahe Ausbildung führt die Bundeswehr regelmäßig, mit oft großem Aufwand, ALÜ`s für junge Offiziere und Feldwebel durch. Dabei werden vor allem komplexe Abläufe anschaulich dargestellt und vermittelt.
Ich verlegte an diesem Tag also mit einigen Kameraden nach Minden, um dort an der Station „Überwinden von Gewässern“ unter Federführung des PzPiBtl 130 teilzunehmen und als Höhepunkt den Mittellandkanal per Amphibienbrücke zu überqueren.

Nach Schließen der Schwimmbrücke überquerten SPz PUMA zügig das Gewässer

Dazu gab es zunächst eine Einweisung in die Lage und in die Grundsätze der Pioniertruppe.
Eigene Bewegung fördern, feindliche Bewegung kanalisieren und hemmen, die Erhöhung der eigenen Überlebensfähigkeit und der Beitrag zum Lagebild sind diese vier Grundlagen für
jeden Pionier. In der Lage überwindet eine ganze Brigade ein Gewässer, um den einsatznahen Verfügungsraum für die weitere Operation zu beziehen.

Wie wird aber konkret an eine Gewässerüberquerung herangegangen?
Zu diesem Zweck werden spezialisierte Pi-Erkunder eingesetzt, die wie wir Aufklärer auch mit dem Spähwagen Fennek agieren. Die Erkundungstrupps sind natürlich nicht allein unterwegs, sondern operieren stets gemeinsam mit anderen Truppenteilen. Ihre Durchhaltefähigkeit von 72 Stunden macht sie zu einer geeigneten Verstärkung eines Spähtrupps. Zur Erkundung verzichten sie aber auf eine BAA (Beobachtungs- und Aufklärungsausstattung), statt dessen werden andere Entfernungsmesser und ein Boot mitsamt Bodensonar für die Erkundung von Gewässern mitgeführt.
An der nächsten Station wurde der Gefechtsstand des Panzerpionierbataillons vorgestellt. Hierfür gab es zunächst eine Ein-weisung in den Operationsraum des Bataillons, am analogen Sandkasten durch den stellvertretenden Kommandeur. An-schließend trug dieser im Rahmen eines LVU zur Lage und Auftrag der Pioniere in der Operation vor.

Die letzte Station war der reale Gewässerübergang.
Zunächst wurde der Kompaniegefechtsstand der dem Bataillon unterstellten, britischen Pionierkompanie vorgestellt. Diese Zusammenarbeit wird bereits seit Langem großgeschrieben und in der nahen Zukunft durch die Umgliederung in ein binationales Bataillon weiter gefestigt.

Der Höhepunkt der Übung:
der Kriegsbrückenschlag per Amphibie M3. Das Errichten der Brücke ging dank eingespielter Besatzungen innerhalb weniger Minuten von statten. Die Feinabstimmung und das komplette Schließen der Brücke verlangte den Soldaten sichtlich Konzentration ab. Da die britischen Pioniere das gleiche System nutzen, sind die beiden Partnernationen in dieser Hinsicht vollkommen kompatibel und offensichtlich bestens eingespielt.

Bleibt die Frage: Was können wir als Aufklärer von dieser Übung mitnehmen?
Zum Ersten fällt die internationale Ausrichtung der Mindener Pioniere auf. Diese äußert sich nicht nur in Begrifflichkeiten, sondern in der täglichen Zusammenarbeit mit britischen Soldaten im bald binationalen Bataillon. In allen Einsätzen und einsatzgleichen Verpflichtungen ist Englisch unverzichtbar, ebenso kompatible Ein satzgrundsätze und Kommunikationsmöglichkeiten. Hier muss jeder Soldat an seinen Sprachkenntnissen arbeiten.
Zum Zweiten fällt auf, dass die Pioniere zur Erkundung des Gewässers auf die Zusammenarbeit mit der Kampftruppe nicht verzichten kann. Für uns Aufklärer stellt sich folglich die Frage nach der Art der Zusammenarbeit: In welche Art Spähtrupp sind die Pioniere einzubinden? Wie wird mit dem dritten Manöverelement umgegangen und wie beeinflusst dies unsere Leistungsfähigkeit im Versteck, dem Schwerpunkt unseres Auftrages?
Für uns als Aufklärer bleibt klar festzustellen, dass auch wir uns im Englischen permanent beüben müssen, damit wir für internationale Zusammenarbeit bereit sind. Darüber hinaus muss das Fahren eines verstärkten Spähtrupps, wenn immer möglich, auch gemeinsam mit Pionieren geübt werden, damit wir im Ernstfall unsere Aufträge unmittelbar und vollumfänglich ausführen können.

L König-Sothmann