Kasinogespräch
„Es gibt keine Atheisten in den Schützengräben!“
Kasinogespräch zum Themenkomplex „Soldat und Glaube“.
„So wahr mir Gott helfe!“ als Schlusssatz der Eidesformel deutscher Bundeswehrsoldaten, Feldgottesdienste zu besonderen Anlässen oder auch die institutionalisierte Militärgeistlichkeit in vielen Streitkräften zeigt, dass Soldat und Glauben eng zusammenstehen, wohl weniger wegen der Religiosität, sondern eher wegen der besonderen Bedeutung von Moral und Ethik für den Soldatenberuf, aber auch wegen des Trostes, der Kraft und Hoffnung, die viele Soldaten für den Umgang mit Verwüstung und Leid oder Verwundung und Tod aus der Religion ziehen. Deshalb die provokante wie erhellende Aussage eines unbekannten Frontkämpfers:
„Es gibt keine Atheisten in den Schützengräben!“
Am 26. August fand in den Räumlichkeiten des Kasinos eine Gesprächsrunde rund um den Themenkomplex „Soldat und Glaube“ statt.
Nach einer kurzen Einleitung durch den Fähnrichoffizier, führten die Kameradinnen Fahnenjunker Blöss und Hauptgefreiter von Platen mit kurzen Vorträgen durch den weiteren Abend. Fahnenjunker Blöss referierte zu Beginn kurz über die Entwicklung der Militärseelsorge bis zum heutigen Tag und stellte dieser das Truppenpsychologiewesen gegenüber.
Die hieraus abgeleitete These, dass im Sinne der Säkularisierung die Militärseelsorge zu Gunsten der Truppenpsychologie verringert werden sollte, führte zu angeregter Diskussion.
Im zweiten Vortrag setzte sich Hauptgefreiter von Platen mit der Frage auseinander, ob ihr christlicher Glaube mit ihrem Soldatendasein in Einklang zu bringen ist oder in einem zu deutlichen Widerspruch dazu steht. Ihre persönlichen Betrachtungen angesichts ihres angestrebten Theologiestudiums gaben ihrem Vortrag eine besondere Tiefe und Relevanz.
Im Anschluss an die Vorträge bot sich die Gelegenheit, über beide aufgestellten, zum Teil kritischen Thesen, ausgiebig zu diskutieren. Beide Themen wurden nicht nur im Plenum sehr angeregt diskutiert, sondern auch nach Abschluss des offiziellen Teils im kleinen Kreis noch lebhaft weiter besprochen. Hier zeigte sich, dass Glaube und Spiritualität, zumindest im Kreis der anwesenden Offiziere und Offizieranwärter, doch eine nicht unerhebliche Rolle spielt und somit vielfach der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung entgegensteht.
Die Frage, ob Militärdienst und Religiosität sich gegenseitig ausschließen oder sogar bedingen, wurde, was auch nicht beabsichtig war, an diesem Abend nicht abschließend beantwortet. Nichtsdestoweniger werden die Vorträge, Beiträge und Gespräche den Teilnehmern sicherlich noch eine Weile in Erinnerung bleiben.
L Clemens