Der „Tag der Werte“

Feinschliff an unserem Wertekompass

Der 23. Februar 2022 war als der Tag festgelegt, an dem alle Soldaten der Bundeswehr sich ungestört vom täglichen „normalen“ Dienstalltag mit den Grundlagen militärischen Tuns auseinandersetzten sollten, mit den Leitlinien, dem Kompass, oder einfach den relevanten Werten für jeden Soldaten der Bundeswehr. So ein Kompass der zeitlosen Werte soll und kann Halt und Orientierung geben, besonders in extremen Lagen, in Gewissensnöten, in Gefahrensituationen, die rationales Handeln schwer machen. Eine verinnerlichte Werteordnung ist wie Waffendrill: Sie gibt Handlungssicherheit in kritischen und unübersichtlichen Lagen.

Gemeinsam sind wir stark! Geselliger Abschluss eines ernsten Tages

Ausgangspunkt für das Bataillon war der Wertekanon der PzGrenBrig 41. Es gibt ihn schon lange, ihn aber bewusst zu machen, mit Beispielen zu verdeutlichen und mit Leben zu füllen, war Sinn und Zweck dieses Tages.
Das Bataillon hat diesen Tag nicht mit externer Expertise durch Vorträge und Diskussionen gefüllt, sondern selbst als „Parcours mit Wertestationen“ organisiert, von den Kompanien selbst gestaltet. Dabei hatte schon die Stoffsammlung und Vorbereitung einen deutlichen Lern- und Erkenntnisgewinn, welcher am „Tag der Werte“ weiter vertieft wurde.
Schon früh am Morgen eröffnete der Kommandeur auf dem Bataillonsrasen den Einstieg in den Themenkomplex, gab Ziel und Richtung vor, bevor das Bataillon auf den „Werte-Parcours“ abrückte. Getrennt marschieren – vereint schlagen könnte die Methode heißen, bei der die Einheiten und Teileinheiten den Stationsaufbau durchliefen, bevor sie sich gegen 15:00 Uhr alle gemeinsam im Technischen Bereich wieder einfanden – zum Abschluss und bei einem gemeinsamen Grillen.
Bevor es aber soweit war, trug der evangelische Militärpfarrer Herr Dietl einige Gedanken zum Thema Toleranz und Rücksicht vor – und von den Grenzen von Toleranz, ein Spannungsfeld, welches allen Soldaten in jedem Einsatz begegnet.
Danach beleuchtete der 1. Sprecher der Kameradschaft einige Aspekte zum Wert „Kameradschaft“. Er zeigte auf, dass Kameradschaft nicht exklusiv nur für Soldaten gilt. Auch für andere Organisationen spielt Kameradschaft eine zentrale Rolle für das Funktionieren von Einheiten und Teileinheiten. Wichtig für eine Kameradschaft ist die Zugehörigkeit zu einer Schicksals-Gemeinschaft mit gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen, geteilten Belastungen und gleichen Risiken.

Einige Schlüsselbegriffe und Bedingungen waren dazu wegweisend an einem Schilderbaum angebracht. Kameradschaft ist ein verbindendes Band nach innen und ein Schutzwall gegen Anfeindungen nach außen, sie schafft Identifikation und fördert Zusammenhalt, sie ist zeitlos und wirkt nachhaltig. Viele nennen die Kameradschaft der Grundausbildung als erste prägende Erfahrung, Kriegsveteranen bezeichnen Kameradschaft als überlebensnotwendig und auch die generationenübergreifende Kameradschaft der Eutiner Aufklärer und seiner Traditionsverbände liefert viele Beispiele. Für den Tag der Werte waren deshalb alle Ausgaben des „Aufklärer“ von den 1960er Jahren bis heute an einer Informationswand aufgehängt und boten allen Soldaten und Ehemaligen einen authentischen Blick zurück.

Letztes Modul dieses Ausbildungstages war eine Videobotschaft des Inspekteurs des Heeres (wir sind schließlich im 21. Jahrhundert) an die Soldaten in einer  wertegebundenen parlamentarischen Demokratie, in der Bundeswehr, im Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ zu den zeitlosen Werten, zum Wertekompass. Diese Ausbildung – an diesem Tag – kam rechtzeitig vor dem Tag, an dem Putins Krieg gegen die Ukraine begann.
Nach diesem etwas anderen Ausbildungstag gab der Kommandeur dann endlich die ersehnte Freigabe der Grillstationen und man saß noch eine Weile zusammen, sprach über dies und das und sicherlich auch über die bevorstehenden Herausforderungen im Rahmen der eFP in LITAUEN.

Kameradschaft