Amtshilfe bei der Coronabekämpfung
Wir. Dienen. Deutschland
Als 1962 die Bundeswehr das erste Mal mit über 40.000 Bundeswehrsoldaten Nothilfe geleistet hat, war es nicht nur etwas nie Dagewesenes, sondern zum damaligen Zeitpunkt sogar verfassungswidrig. Die Legitimation weiterer Einsätze der Bundeswehr im Inland erfolgte erst 1968. Nach teils heftigen Protesten beschloss der Bundestag die Notstandsgesetze. Diese Gesetze enthalten Regelungen für den Verteidigungsfall, den inneren Notstand und den Katastrophenfall bei Unglücksfällen, Seuchen oder Epidemien wie im derzeitigen Fall des Sars-CoV-2-Virus. Seit der Überflutungskatastrophe von 1962 kam es zu einer Vielzahl von Einsätzen innerhalb Deutschlands.
Neben dem Hauptauftrag „Auge und Ohr der Brigade zu sein“, war und ist auch das AufklBtl 6 „Holstein“ immer wieder bei Katastrophenfällen gefragt. Als im Oktober 2020 die ersten Soldaten in Bad Oldesloe eingesetzt wurden, um dort bei der CORONA Kontaktnachverfolgung zu helfen, gab es noch keinerlei Strukturen. Als Führer vor Ort baute der Hauptfeldwebel Noetzel mit seinen ihm unterstellten Soldaten und dem zivilen Personal die ersten Strukturen und Verfahren zur Kontaktnachverfolgung auf.
Am Ende des Jahres 2020 war es bereits abzusehen, dass es neben der Kontaktnachverfolgung zu einem weiteren Auftrag kommen würde. Diese Vorahnung sollte sich im Januar 2021 mit dem Aufbau und der Unterstützung in Impfzentren als wahr herausstellen. Von nun an hatte das Bataillon 2 Amtshilfeaufträge gleichzeitig zu stemmen. In der Zeit sind für die Soldaten viele prägende Ereignisse geschehen. So hat beispielsweise der SU Köhn bei der Amtshilfe in Bad Oldesloe seine zukünftige Frau kennengelernt. Der Besuch eines TV Teams zählte ebenfalls zu den Höhepunkten für die Soldaten. Hierzu erschien am 20.03.2021 eine Videoreportage auf SPIEGEL Panorama. Den bisher letzten Amtshilfeeinsatz hatte das AufklBtl 6 vom 21.02.2022-18.03.2022 in einem Berliner Gesundheitsamt absolviert. Durch einen Serverausfall kam es zu einem Rückstau von 17.000 unbearbeiteter Datensätze, die dringend aufgearbeitet werden mussten. Der Hauptauftrag hier, war die administrative Unterstützung in den Gesundheitsämtern.
Dazu gehörten:
Abarbeiten von Rückständen der Erfassung von Infizierten und Kontaktpersonen Erstellung und Versendung von Quarantäne-/ Isolations-/ Genesenenbescheinigungen Auskunft in der Corona-Hotline Von einem krönenden Abschluss kann nicht die Rede sein. Dies lag keineswegs an den Soldaten, die in Berlin im Einsatz waren. Vielmehr streikte tagtäglich die Technik, was einen reibungslosen Einsatz unmöglich machte. Dass das Hochfahren eines Computers bis zu 2 Stunden dauerte oder das Öffnen einer Worddatei bis zu 15 min war keine Seltenheit. Trotz der äußerst veralteten Technik konnten die eingesetzten Soldaten der 4./- in den 10 Tagen, die diese vor Ort waren, über 2300 Fälle bearbeiten, was laut der Büroleitung rekordverdächtig erschien.
Mit funktionierender Technik hätten die Soldaten mehr als das Dreifache abarbeiten können. Hier wäre wohl eine Investition in leistungsfähigere Hard- und Software zielführender gewesen. So konnte der Rückstau letztendlich auch mit Unterstützung der Eutiner Aufklärer erfolgreich aufgearbeitet werden.
Nach vielen Monaten der parallelen Corona-Amtshilfe endete dieser Auftrag offiziell Mitte März. Seitdem liegt der Fokus wieder ungeteilt auf Ausbildung und Übung im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung, und die Soldaten können wieder ihrem Hauptauftrag als „das Auge und Ohr der Brigade“ nachkommen.
L Krüger