Heeresaufklärerwoche
Eutiner Aufklärer im Süden unterwegs
Am 23. Oktober 2023 begaben sich Eutiner Aufklärer aus allen Kompanien auf eine etwa 900 Kilometer lange Reise Richtung Süden. Nicht etwa, weil die Liebe zur Pendelei so groß geworden ist, dass man einmal beinahe die gesamte A7 befahren möchte, nein, das Gebirgsaufklärungsbataillon 230 hat die Soldatinnen und Soldaten der goldgelben Zunft zur jährlichen Heeresaufklärungswoche eingeladen.
In seiner Ansprache anlässlich des Begrüßungsantretens betonte der Kommandeur des Gebirgsaufklärungsbataillons 230, Oberstleutnant Alfred Hugger, dass es ihm in dieser Woche nicht um den Wettkampf ginge, sondern darum, gemeinsam Ausbildung zu betreiben, mögliche neue Ausbildungsmethodik zur Anwendung im Heimatbataillon darzustellen und jeder für sich selbst das Resümee zieht „Es hat sich gelohnt, diese lange Reise nach Füssen anzutreten“.
Nach Anreise und einem Ice-Breaker-Abend am Montag wurden Dienstag und Mittwoch jeweils bataillonsübergreifende Ausbildung in den einzelnen Teilfähigkeiten der Heeresaufklärungstruppe betrieben.
Bei der Teilfähigkeit Feldnachrichten stand die Befragung von Kriegsgefangenen mittels Sprachmittler auf dem Ausbildungsplan. Die Erfahrung der Ausbildungsgruppe war durchmischt: Während einige Kameraden bereits mehrere Auslandseinsätze und dementsprechend viel Erfahrung in der Arbeit mit Sprachmittlern aufweisen konnten, gab es auch Kameraden, die noch nie mit Sprachmittlern gearbeitet haben. Weil sich die Erfahrung in der Arbeit mit Sprachmittlern jedoch hauptsächlich aus
Stabilisierungsoperationen ergab, war die Befragung von Kriegsgefangenen mittels Sprachmittler für viele neu. Besonders vor der aktuellen sicherheitspolitischen Lage ist diese Thematik jedoch essenziell, da sich die Befragung in einer nicht-verständlichen Sprache gegenüber der Befragungen in der Muttersprache grundlegend unterscheidet: Wie kann die Befragungsmethode trotz Sprachmittler rübergebracht werden? Welche Möglichkeiten habe ich durch den Einsatz der Sprachmittler, die sich sonst nicht ergeben? All diese Herausforderungen konnten in einer kurzen Befragungsübung angenommen werden. Insgesamt zeigte die Ausbildung viele Möglichkeiten und auch Schwierigkeiten auf und ist insgesamt als gewinnbringend zu beurteilen.
Für die taktische Gefechtsfeldaufklärung (TGA) – also das Gewinnen von Informationen durch das Auslesen und Auswerten von elektronischen Speichermedien – wurde die Firma Schönhofer, welche die Systeme der Bundeswehr betreut, zur Schulung an den verschiedenen Systemen, mit ca. 30 Programmen, eingeladen. Hier konnten wieder einige Kniffe vermittelt werden, so z.B. das Auffinden versteckter Datenpakete und dazugehörigen Passwörtern oder das Auslesen von Chatverläufen, Geodaten und Kommunikationsverbindungen verschiedener Personen, um ganze Netzwerke und deren Vorhaben aufzudecken. Da die Expertise im Bereich TGA auf militärischer Ebene noch fehlt, sind Schulungen von der Firma Schönhofer jederzeit von großer Bedeutung. Grundsätzlich fehlt es uns in der Truppe an Zeit und Erfahrung mit den Systemen die Möglichkeiten der TGA selbstständig durchführen zu können. Insgesamt war die TGA-Ausbildung in Füssen deshalb ein gewinnbringender Erfolg.
Die Teilfähigkeit der leichten Spähaufklärung widmete sich der Thematik „Zurechtfinden und Üben im alpinen Gelände“. Die Ausbildungswoche begann mit Unterrichten über alpine Gefahren, das Überwinden von Steilstufen, Überwinden von Einschnitten sowie dem Verwundetentransport im schwierigen Gelände. Während sich die Mannschaften in der Kletterhalle weiter mit der Kletterausrüstung vertraut machten, rückten die Feldwebel und Offiziere in den Simulator ein und übten das Lenken von Steilfeuer. Am darauffolgenden Tag wurden die erlernten Inhalte praktisch im alpinen Gelände, in Form eines Ausbildungsparcours in der Haslacher Alpe, angewandt. Insbesondere die Herausforderungen, die dass alpine Gelände mit sich bringt, konnten zur Kompetenzerweiterung genutzt werden.
Auch die bodengebundene Spähaufklärung wurde in der dargebotenen Ausbildung gefordert. Neben dem Ausbringen der Sensoren ALADIN und BOSA NET, wurde das Verhalten bei Feind und das Anfordern von Steilfeuer in dem für Füssen typischen bergigen Gelände geübt. Auch hier waren die Erfahrungen in einem sonst ungewohnten Gelände gewinnbringend für die eigene Kompetenz.
Am Donnerstag standen unterschiedliche Kohäsionsveranstaltungen auf dem Plan. So fanden sich die Eutiner Aufklärer, nach dem Überwinden von 900 Höhenmetern, plötzlich neben einem Gipfelkreuz in 1665 Metern Höhe wieder, statt der gewohnten 20 Meter Höhenunterschied auf dem Standortübungsplatz Eutin. Den Abschluss bildete wie jedes Jahr der Kameradschaftsabend, bei dem in geselliger Runde der Austausch mit alten Bekannten vorangetrieben wurde.
Insgesamt ist die Ausbildungswoche im Rahmen der Heeresaufklärungswoche als Erfolg zu beurteilen, neben dem Wiedertreffen vieler Kameradinnen und Kameraden sowie der gelungenen Kohäsion, waren insbesondere die gemeinsame Ausbildung in einem abwechslungsreichen Gelände und die beschriebenen Ausbildungsinhalte ein Gewinn. Weiterhin konnte man Anregungen für die Ausbildung im eigenen Bataillon mitnehmen.
OLt Niels B.