ALLIED SPIRIT | Teil II
Nachrichtenbeschaffung durch den Feldnachrichtenzug der 3. Kompanie
Das Übungsszenario von ALSP24 stellte die PzGrenBrig 41 vor klassische Herausforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung. Auch für den FN-Zug begann die Übung mit dem langen Marsch in den Einsatzraum auf dem TrÜbPl Hohenfels. Dort angekommen wurde bereits die Verzögerung gegen den angreifenden Feind vorbereitet. Der Feldnachrichtenzug wurde dabei im rückwärtigen Raum dem Jägerbataillon 413 unterstellt.
Der Feldnachrichtenzug wurde ständig durch drei amerikanische und zwei deutsche Observer, Coach, Trainer (OCT’s) begleitet, welche als Schiedsrichter stets mit Rat und Tat zur Seite standen.
Die Absicht der Kompanieführung war es, den Feldnachrichtenzug hybrid einzusetzen, die Gesprächsführung und Befragung auf Englisch zu üben und die Zusammenarbeit mit der Brigade zu trainieren. Hybrid bedeutet dabei, dass angepasst an die Lage, Intensität und Auftrag, die Einsatzarten Gesprächsführung mit Kontakten und Befragung von Kriegsgefangenen aufeinander folgend oder auch parallel durchgeführt werden sollten. Die Absicht der Brigadeführung, dass Kriegsgefangenenwesen zu beüben fiel im Schwerpunkt auf die Eutiner Feldnachrichtenkräfte zurück. Grundsätzlich sind die Feldnachrichtenkräfte im „Prozess Kriegsgefangenenwesen“ ausschließlich für die Befragung von Gefangenen zuständig, andere Aspekte wie z.B. deren Transport und Sicherung, fallen beispielsweise in den Zuständigkeitsbereich der Feldjäger und der eingesetzten Sicherungskräfte. Bei der unmittelbaren Vorbereitung der Übung vor Ort wurde jedoch schnell klar, dass abseits der Feldnachrichtenkräfte keinerlei Kräfte oder Mittel verfügbar waren, um den Kriegsgefangenensammelpunkt der Brigade aufzubauen, zu betreiben und zu sichern.
Letztendlich konnten Zelte, Heizgeräte, Generatoren und Stacheldraht herangeschafft und aufgebaut werden. Der Feldnachrichtenzug war jedoch – anders als vorgesehen- selbst verantwortlich für Aufbau, Sicherung, Bewachung und Betrieb des Sammelpunktes und der dazu gehörigen Befragungsstelle. Unterstützt wurde der Zug durch eine Gruppe Infanteristen des Jägerbataillons 413, welche zur Sicherung des Sammelpunktes und zur internen Bewachung der durch Rollenspieler dargestellten Kriegsgefangenen eingesetzt wurde. Besonders hervorzuheben ist dabei die Notwendigkeit der konsequenten Umsetzung der Genfer Konventionen, welche die Behandlung von Kriegsgefangenen regelt. Vor Ort wurde dies sogar durch Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes überprüft, welche jedoch nichts zu beanstanden hatten.
Eine große Herausforderung stellte während der gesamten Übung der Transport der Kriegsgefangenen bis zum Kriegsgefangenensammelpunkt der Brigade dar.
Aufgrund von Mangel an Transportkapazitäten und unklaren Verantwortlichkeiten, benötigte der Transport eingebrachter Kriegsgefangener von der einbringenden Truppe bis zur Ankunft am Sammelpunkt bis zu sieben Stunden. Bei der Ankunft erfolgte die Aufnahme durch eine Registratur, welche durch herbeigerufene Feldjäger durchgeführt durch Sanitätskräfte unterstützt wurde. Die darauffolgenden Befragungen wurden durch die eingeteilten Befrager des Feldnachrichtenzuges übernommen. Hierbei war die große Herausforderung, die Befragung auf Englisch durchzuführen.
Von Beginn der Übung an war für die Feldnachrichtenkräfte die Arbeit auf einem intensiven Niveau. Tagsüber wurden die ersten Telefongespräche mit Polizisten und Lokalpolitikern und erste Erkundungsfahrten zur Raumerkundung durchgeführt, abends galt es bereits, die ersten Kriegsgefangenen zu befragen. Dabei hatten wir schon am ersten Abend einen ersten Erfolg, als einer der eingebrachten Kriegsgefangenen sich als Angehöriger feindlicher Spezialkräfte zu erkennen gab und bedeutende Informationen gewonnen werden konnten.
Insgesamt war die Teilnahme an der Übung ALSP 24 für uns eine Bereicherung. Dabei muss klargestellt werden, dass der Schwerpunkt der Übung auf der Beübung der Führungsverfahren der Brigade und nicht auf der Beübung der Feldnachrichtenkräfte lag. Die Ausgestaltung der Übung ermöglichte es dem FN-Zug jedoch, durch Gesprächsführung mit Kontakten und Befragung von Kriegsgefangenen lagerelevante Informationen zu gewinnen, sodass es gelang, trotz aller organisatorischen, personellen und materiellen Herausforderungen dem Kernauftrag der Feldnachrichtenkräfte gerecht zu werden und diesen zu üben. Die durch Gesprächsführung und Befragung gewonnen Informationen hatten z.T. entscheidenden Einfluss auf die Operationsführung der Brigade. Dadurch konnte auch der übergeordneten Führung der besondere Wert des Sensors Feldnachrichten verdeutlicht werden.
Hptm Eike Sch.