ALLIED SPIRIT | Teil I

Das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ nahm vom 26.02.2024 bis 24.03.2024 zum zweiten Mal an der multinationalen NATO-Übung ALLIED SPIRIT 2024 („gemeinsamer Geist“) im bayrischen Hohenfels im Raum Regensburg teil. Diese alljährlich stattfindende Großübung wurde vom Joint Multinational Readiness Center (JMRC) der US-Streitkräfte in Europa ausgeplant. Ähnlich dem deutschen Gefechtsübungszentrum des Heeres (GÜZ) ist das Ziel der großangelegten Gefechtsübung, neben der Darstellung von Gefechtssituationen für den Einzelschützen und den Zug, das Abprüfen militärischer Führungsstrukturen und -einrichtungen auf Bataillons- und Brigadeebene.

Für das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ begannen Planung und Ausbildung im Hinblick auf die Großübung bereits frühzeitig im Vorjahr 2023. Die letzten Monate und Wochen vor der Verlegung von Eutin nach Hohenfels wurden genutzt, um die Ausbildungen und Vorbereitungen gezielt zu intensivieren. Dies mündete zu Beginn des Jahres 2024 in einer Gefechtsstandausbildung des Bataillons. Das Augenmerk wurde dabei zum einen auf die Abstimmung der letzten Maßnahmen und Prozesse gelegt und zum anderen auf die Sicherstellung der Integration einer unterstellten dänischen Aufklärungskompanie von der Insel Bornholm. Die Integration der dänischen Soldatinnen und Soldaten gelang aufgrund eines ähnlichen Verständnisses für die Aufklärung sehr schnell und alle Beteiligten freuten sich, endlich ins JMRC nach Hohenfels verlegen zu können. In den ersten Tagen konnte im bayrischen Hohenfels der stetige Aufwuchs von Fahrzeugen und Kräften beobachtet werden. Mit über 600 Gefechtsfahrzeugen, einer Vielzahl von Hubschraubern und über 6000 Soldatinnen und Soldaten aus 13 Nationen stellte der diesjährige Übungsdurchgang ein Highlight für das gesamte Bataillon dar. Im Fokus der Großübung lag insbesondere die Interoperabilität, also die Zusammenarbeit verschiedener Nationen und ihrer jeweils unterschiedlichen Sprachen, Standards, Führungsmittel und Fertigkeiten.

In diesem Jahr wurde das Bataillon jedoch nicht wie zuvor durch eine lettische Brigade geführt, sondern durch die Panzergrenadierbrigade 41 aus Neubrandenburg selbst und somit von dem eigenen Brigadekommandeur, Herrn Brigadegeneral Nawrat. Intern wurde das Aufklärungsbataillon 6 durch den Kommandeur geführt, unter dessen Führung verlegten über 400 Soldatinnen und Soldaten von Eutin nach Hohenfels. Für den Großteil der Teilnehmer dauerte die Übung über 24 Tage, wobei sich der Kern der Übung auf zwölf Tage erstreckte. Hierbei
wurde das hochintensive Gefecht gegen einen ebenbürtigen Feind geübt.

Für das Aufklärungsbataillon 6 begann der Übungsdurchgang bereits einige Tage vor dem Gefechtsbeginn der Kampftruppe. Der Auftrag der Aufklärungssensoren war es, frühzeitig erste Aufklärungsergebnisse für den Brigadekommandeur zu generieren, um so dem Entscheidungsprozess der Brigade erste wichtige Informationen zu liefern, welche im Anschluss über den Ansatz der Kampftruppe entscheiden sollten.

Das Bataillon selbst, konnte einmal mehr die Möglichkeit ergreifen, sich auf verschiedenen Ebenen, im Hinblick auf Prozesse des Bataillonsgefechtsstandes und in der Zusammenarbeit mit der Brigade zu beüben. Dieses Großmanöver, bei dem mehr als 6000 Soldatinnen und Soldaten sowie circa 1400 Fahrzeuge beteiligt waren, hat auch einmal mehr die Vielschichtigkeit sowie die Herausforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung gezeigt. Gleichzeitig wurden die Kompanien in der Führung der eigenen Aufklärungssensoren und der externen Kräfte weiter befähigt. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den dänischen Aufklärungskräften verdeutlichte die Notwendigkeit von
kontinuierlich durchgeführten Großübungen, um die Interoperabilität mit unseren Bündnispartnern stetig zu intensivieren. Denn trotz eines vergleichbaren Verständnisses für die Aufklärung seitens der dänischen Kräfte, sind natürlich nicht alle Einsatzgrundsätze gleich. Nichtsdestotrotz erbrachte die dänische Aufklärungskompanie herausragende Einzelsituationen, wie zum Beispiel den Einsatz eines Scharfschützentrupps, der gegen Ende der Übung einen feindlichen Gefechtsstand angriff und führungswichtiges Personal des Feindes eliminierte. Weitere Erfahrungen konnten dahingehend gesammelt werden, was es bedeutet, zwölf Tage in der Tiefe des Raumes, abgeschnitten von der Versorgung der Kompanien, im Versteck zu liegen,
dabei unerkannt zu bleiben und dennoch wirkungsvoll aufzuklären. Zusammen mit den vorherrschenden Witterungsbedin-gungen wurde den Kräften erneut bewiesen, wie fordernd ein solcher Auftrag sein kann.

Die Komplexität der Übung sowie die Fülle an Soldatinnen und Soldaten unterschiedlichster Nationalitäten zeigte, über welch hohen Ausbildungsstand das Aufklärungsbataillon 6 verfügt. Obwohl nicht alle Fähigkeiten während der Übung abgebildet wurden, bewies das Bataillon ein hohes Maß an Professionalität und Leistungsfähigkeit. Wichtig ist es nun, die erbrachten Leistungen und die neu gesammelten Lehren des Verbandes im Rahmen künftiger Ausbildungen zu integrieren und zu festigen. Das Kerngeschäft der Heeresaufklärer war, ist und bleibt es, in der Lage zu sein, kurzfristig auf Lageänderungen reagieren zu können, den Auftrag anzupassen und genaue Aufklärungser-gebnisse zu liefern. Bei ALLIED SPIRIT 2024 hat das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ erneut aufgezeigt, dass eben dieses Kerngeschäft beherrscht wird: „Well done six!“

Major Martin J.