GOLDEN SEAGULL 24
Eutiner Aufklärer beüben Feldnachrichtenkräfte der Bundeswehr
In einer anspruchsvollen Übung hat die 3 Kompanie des Aufklärungsbataillon 6 vom 02.09.24 bis zum 20.09.24 seine Fähigkeiten im Bereich der Feldnachrichtenaufklärung unter Beweis gestellt. Die Übung, die in mehreren Phasen durchgeführt wurde, beübte Feldnachrichtenkräfte (FNKr) vom Heer, der Marine und der Luftwaffe auf verschiedenen Führungsebenen, umso die Einsatzbereitschaft der Truppe zu maximieren.
Der erste Tag der Übung war der Wissensvermittlung gewidmet. Die Soldaten erhielten umfassende Einweisungen zu den Grundlagen der Feldnachrichtenoperationen, einschließlich Techniken zur Informationsgewinnung, dem Führen eines Kontaktnetzwerkes und der Verarbeitung und Analyse der gewonnenen Informationen. Die Ausbilder führten die Teilnehmer dabei durch verschiedene Szenarien und vermittelten wertvolle Kenntnisse, die für den Erfolg in realen Einsätzen entscheidend sind.
Nach den theoretischen Unterrichtungen begann die praktische Phase der Übung. Zunächst in Zivilkleidung operierend, wurden Kontakttreffen im Raum Ostholstein durchgeführt, um Informationen zu gewinnen. Als Beispiel war einer der Kontakte Hafenmeister in Heiligenhafen und hatte frühzeitig Informationen zu Kräften, die versuchten den Hafen auszuspähen, was auf eine mögliche maritime Anlandung hindeutete. Diese Phase der Kontaktreffen wurde von speziell ausgebildeten Polizeikräften der Landespolizei SH begleitet, die gegnerische Aufklärungskräfte, sogenannte Counter Intelligence (CI) simulierten. Diese Kräfte beobachteten und verfolgten die FNKr. Dazu wurden moderne Mittel wie Drohnen oder magnetische GPS-Sender, die im Radkasten von Fahrzeugen angebracht werden können, benutzt. Während die einzelnen Trupps der FNKr Kontakttreffen durchführten, war die Führungsebene der Trupps damit beschäftigt die folgenden Operationstage zu planen, den Trupps Aufträge und Kontakte zuzuweisen, Abläufe zu optimieren und die gewonnenen Informationen zielgerichtet an die übergeordnete Führungsebene weiterzuleiten.
Mit dem Fortschreiten der Übung wurde das Szenario zunehmend komplexer. Ein fiktiver Kriegsbeginn führte dazu, dass die FNKr nur unter erhöhtem Schutz weiter operieren konnten. Dazu wurde nun in militärischer Bekleidung, mit militärischen Fahrzeugen und einem erhöhten Kräfteansatz gearbeitet. Die Sicherungskräfte hatten den Auftrag, die Kräfte, die Gespräche mit Kontakten führten, zu schützen und zu überwachen.
Damit sollte der Schutz der Kontakte und eigenen Kräften vor Überwachung und Aufklärung durch gegnerische Kräfte sichergestellt werden.
Der Höhepunkt der Übung war eine 48-stündige Befragungsübung von Kriegsgefangenen. Die FNKr mussten ihre Fähigkeiten innerhalb der Befragung von Kriegsgefangenen unter Beweis stellen und wurden dabei auch vor rechtliche und psychologische Herausforderungen gestellt. Die Übung wurde zusätzlich durch eine Truppenpsychologin begleitet, die das Befragungs- und Übungspersonal durch psychologische Beratung und Anleitung unterstütze.
Die Kombination aus theoretischem Wissen und praktischer Anwendung sowie die aufwendige und umfassende Übungslage, indem teilstreitkraftübergreifend über mehrere Führungsebenen hinweg geübt wurde, hat die Einsatzbereitschaft der FNKr erheblich gesteigert und sie damit gut für einen möglichen Ernstfall vorbereitet.
Dabei hat der Sensor (FNKr) eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er für den Trupp-enführer in allen Intensitäten eines Konfliktes, von Krise bis zum Krieg, wertvolle Informationen zur Verdichtung des Lagebildes gewinnen kann!
OLt Malte H.-R.