Thank you for your service
Goldgelbe im Einsatz in der Multinational Battlegroup Lithuania Eindrücke und Erfahrungen vom Einsatz in der MN BG LTU
Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine steht Deutschland als einer der größten und entschlossensten Unterstützer der Ukraine fest an deren Seite im Kampf um Souveränität und Freiheit. Das AufklBtl 6 „Holstein“ ist dazu von Beginn der NATO – Mission eFP (enhanced Forward Presence) dauerhaft in den Schutz der NATO-Ostflanke eingesetzt, mittlerweile in der 18.Rotation. Dass es sich nicht um ein kurzfristiges Engagement handelt, sondern eher um einen längerfristigen Einsatz, zeigt, wie man sich vor Ort eingerichtet und organisiert hat.
„Thank you for your service “–diese Reaktion von Litauern gegenüber deutschen Soldaten ist nicht unüblich. Der Auftrag der Multinational Battlegroup Lithuania (MN BG LTU) besteht in der glaubhaften Abschreckung russischer Streitkräfte und ihrer Verbündeten, in der Rückversicherung der Bevölkerung Litauens sowie in der Verteidigung Litauens und des NATO-Territoriums. Diese Wertschätzung der Bevölkerung gegenüber den entsandten Soldaten ist deutlich spürbar und wird auch nach außen getragen.
Im Zweiten Halbjahr 2025, der 18. Rotation der MN BG LTU unter Führung des Panzergrenadierbataillons 411 aus Viereck, unterstützt das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ mit insgesamt 24 Soldaten auf 20 Dienstposten. Die An- und Abreise erfolgt in der Regel mit dem Transportflugzeug A400M. Am Flughafen angekommen, werden die Soldaten mit Bussen nach RUKLA in die Trainings Barracks der Iron Wolf Brigade gebracht, wo sich der Standort der Battlegroup befindet. Dort durchlaufen sie das In-Processing und übernehmen anschließend ihren Aufgabenbereich.
Untergebracht sind die deutschen Soldaten hauptsächlich in Container-Blöcken, entweder in Einzel- oder Doppelbelegung. Verpflegt werden kann dreimal am Tag in der Dining Facility (DFAC). Alternativ besteht die Möglichkeit, in der Einsatzkantine gegen ein kleines Entgelt Salat, Schnitzel, Burger und zuckerhaltige Getränke zu sich zu nehmen – allerdings ausschließlich alkoholfreie Getränke, da ein striktes Alkoholverbot gilt. Darüber hinaus ist das Betreuungs- und Sportangebot sehr gut ausgestaltet und bietet den Soldaten in angeleiteten Trainings, geistlichen Angeboten der Kirche oder durch Billard- und Tischtennistische einen Raum für Ausgleich, Entspannung oder Abwechslung.
„Rahmendienstzeiten“ sind montags bis freitags 08:00 bis 18:00 Uhr und sonntags 12:00 bis 18:00 Uhr. Samstags ist – sofern der Dienst es zulässt – Baseday, also ein Tag zur persönlichen Verfügung für den Soldaten. Dienstschluss in der bekannten Form gibt es jedoch nicht, da jederzeit die ständige Erreichbarkeit im Falle einer Alarmierung gewährleistet sein muss.
Wie bereits der Name der Battlegroup erkennen lässt, ist diese multinational aufgestellt. Neben Deutschland sind sechs weitere Nationen in RUKLA vertreten und leisten ihren Beitrag zur Verstärkung der Ostflanke. Die Aufklärungskräfte werden durch Belgien gestellt. Die Kampfkompanien durch Deutschland, die Niederlande und Norwegen.
Auch der Stab und die Unterstützungskräfte sind multinational besetzt. So zum Beispiel die S2-Abteilung. Unter der Führung eines Belgiers, vertreten durch einen Niederländer, werden in der Abteilung deutsche, belgische, norwegische und kroatische Soldaten geführt. Die Kommunikation untereinander funktioniert gut. Die Arbeitsweisen und Ausbildungsstände der einzelnen Nationen sind zwar unterschiedlich, ermöglichen jedoch auch verschiedene Sichtweisen auf Projekte, Aufträge und Arbeitsergebnisse. Nachdem der erste Abschnitt der Rotation vor allem durch Übungen und Gefechtsstandarbeit geprägt wurde, liegt der Schwerpunkt im zweiten Abschnitt zunehmend auf der Analyse der militärischen Sicherheit, als Vorbereitung für die kommenden Rotationen.
Die Verantwortung der MN BG darf nicht unterschätzt werden und wird den Soldaten vor Ort immer wieder deutlich vor Augen geführt. Als Wachposten an der NATO Ostflanke sollen sie im Ernstfall russische Streitkräfte verzögern, der litauischen Bevölkerung Zeit zum Evakuieren und den Folgekräften Zeit zum Verlegen ins Baltikum verschaffen. Auch das Aufklärungsbataillon 6 wird dabei seinen Auftrag erhalten. Systemschnittstellen und Kommunikationsstränge werden im multinationalen Rahmen erprobt und verbessert. Standards müssen nationenübergreifend entwickelt und geübt werden, um eine effektive Führung im Gefecht sicherzustellen.
Deswegen stellt die Kommunikation auf Englisch eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des Auftrags dar und sollte deshalb auf allen Dienstgradebenen in unterschiedlichen Ausprägungen in die Ausbildung integriert werden, um Handlungssicherheit zu schaffen.
Anfang Februar 2026 wird die 19. Rotation unter der Führung von Jägerbataillon 1 die Aufgaben der Battlegroup übernehmen und bis Mitte des Monats sollen alle Soldaten der 18. Rotation wieder an ihre Heimatstandorte zurückgekehrt sein. Auch die Goldgelben kehren dann wieder nach Eutin zurück und bringen ihre Erfahrungen mit.
OLt Sarah O.