HOLSTEIN EXTREM

Wo Ausdauer, Teamgeist und taktisches Können auf die Probe gestellt werden

Vom 14. bis 17. Juli führte das Aufklärungsbataillon 6 die Durchschlageübung „HOLSTEIN EXTREM“ durch. Ziel war einerseits, das taktisch richtige Verhalten einer auf sich gestellten Gruppe beim Durchschlagen zu üben, insbesondere das Verhalten bei Nacht, andererseits in einer körperlich herausfordernden Übung Durchhaltewillen und Teamfähigkeit zu beweisen.

Nachdem der Fliegeralarm morgens die Kräfte in der Kaserne alarmiert hat, gab es eine kurze Befehlsausgabe durch den eingeteilten Bataillonsführer OLt David M. Unmittelbar danach verlegten die ersten Teile zunächst mit TPz´s, GREENLINERn und WIDDER in den Verfügungsraum HARTENHOLM. Dort war die Umgebung ruhig, wenn man den 5 m vor unseren Sicherungen stehenden Schäfer mit seinen Schafen nicht weiter betrachtet. Dementsprechend war die Stimmung der Gruppen gut und motiviert. Die Lage spitzte sich zu. Aufgrund neuer Aufklärungsergebnisse wurde es zu gefährlich und es war notwendig, in Einzelgruppen und zu Fuß rasch einen neuen Raum zu erreichen. Auf dem Marsch stießen wir abseits des Weges auf einen toten feindlichen Fallschirmjäger, der den Sprung offensichtlich nicht überlebt hatte. Nach einer schnellen Durchsuchung nahmen wir seine Waffe und alle wichtigen erscheinenden Dokumente an uns – für eine Auswertung der Unterlagen und der Karte vor Ort war jetzt aber keine Zeit. Gleich nach Ankunft in dem neuen Raum konnten sich unsere Feldnachrichtenkräfte der 3. Kp und die russisch sprechenden Kameraden aus der 1.Kp beweisen, da nun die gefundenen Dokumente aus dem Russischen übersetzt und sachkundig bewertet werden mussten. Parallel wurden gleich mit Beziehen des neuen Raumes Alarmposten zur Sicherung eingesetzt und weitere Alarmstellungen erkundet, als völlig überraschend der Bataillonsführer von einem Feldjägertrupp festgenommen wurde. Es bestand der Verdacht, dass der tot aufgefundene Fallschirmjäger vom Vormittag vielleicht doch noch am Leben war und dann aber kaltblütig erschossen worden war. Der stellvertretende Führer musste also das Kommando übernehmen und das weitere Vorgehen planen und organisieren. Immerhin gelang es noch, der Truppe Rohkost zuzuführen, sodass alle Soldaten eine warme Suppe zum Abendessen hatten. Kurz darauf kam auch die gute Nachricht, dass der Vorwurf eines Kriegsverbrechens fallen gelassen wurde und der ursprüngliche Bataillonsführer zurück zur Truppe konnte, um die Führung wieder zu übernehmen. Auf dem Weg zu einem festgelegten Sammelraum ging es nun in kleinen Gruppen weiter – jede auf sich gestellt – wir waren nun schon den dritten Tag unterwegs. Abseits von Straßen und Wegen kamen wir schließlich an ein Gewässer, das wir ohne Probleme schwimmend mit Zeltbahnpaket überwinden konnten. Es war Gott sei Dank Sommer und wir hatten keine Feindberührung. Also ging es zügig unter ständiger Eigensicherung immer weiter. Über eine Stunde wateten wir durch die Trave – so konnten wir uns nicht verlaufen und hinterließen keine Spuren. Doch dann hatten Feindkräfte uns doch aufgeklärt, aber wir konnten uns rasch ohne Verluste vom Feind lösen. Wir hatten keine Zeit zu verlieren und schlugen uns vorsichtig weiter durch. Erschöpft und müde erreichten wir schließlich ohne weitere Feindberührung den befohlenen Sammelraum. Es hat sich gezeigt, dass das Zusammenwirken im Bataillon gut funktioniert hat und jeder hat jeden ganz selbstverständlich unterstützt. So konnten alle Gruppen auch den letzten Sammelraum ohne Verluste erreichen. Am Ende dieses Tages wurden wir noch von der Miliz „Blaue Sonne“ mit Verpflegung und Getränken versorgt, sodass keiner hungrig in die nächste Phase starten musste. Am letzten Tag wurden die Beine und Ausrüstung immer schwerer, aber alle Teilnehmer blieben stark, konnten sich bis zum Aufnahmepunkt durchbeißen und diesen mittags erreichen. Dort mussten wir dann ein letztes Hindernis überwinden, einen Tümpel mit dementsprechend übel riechendem Brackwasser. Reine Willenssache! Übungsende. Mit nassen Socken und Stiefeln wurden bei einem abschließenden Antreten dann noch einige Kameraden verabschiedet und geehrt, bevor wir (nach ca. 70 Km) den erfolgreichen Abschluss der Durchschlageübung bei einem gemeinsamen Grillen Revue passieren lassen konnten. Rückblickend kann ich sagen, dass Holstein Extrem wie jedes Jahr eine körperliche und geistige Herausforderung war, die die Soldaten aber enger zusammengeschweißt hat und am Ende jedem positiv in Erinnerung bleiben wird. Auftrag ausgeführt – Ziel erreicht.

OLt Philipp Sch.