ALLIED SPIRIT | Teil III – Sensorführer
Die multinationale Übung Allied Spirit 2024 war nach 2022 der zweite „Einsatz“ des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ als Teil der Brigade im bayrischen Hohenfels. Die Panzergrenadierbrigade 41 wurde als Teil der 1. Panzerdivision im fiktiven Staat „Donovia“ eingesetzt, welcher angegriffen wurde. Die in Hohenfels beheimateten US-Truppen stellten in diesem Szenario mit internationaler Unterstützung sowohl die feindlichen Streitkräfte als auch die Zivilbevölkerung. Ziel von der Panzergrenadierbrigade 41 war es, den gegnerischen Angriff zum Erliegen kommen zu lassen.
Für den III. Spähzug, diesmal unter der Führung von Major Tilo W. und der 4. Kompanie, ging es nach der Verladung der Fahrzeuge auf die Eisenbahn per Bus ins JMRC (Joint Multinatio-nal Readiness Center). Vor dem scharfen Beginn der Übung wurde die Einsatzbereitschaft hergestellt. Die Abläufe waren ähnlich derer im Garnisonsdienst, dennoch aufgrund der Örtlichkeiten und Infrastruktur nicht immer ganz so einfach. Allerdings bewältigten alle Späher dies ohne nennenswerte Probleme. Die Spähwagen wurden getarnt, weiter aufgerüstet und mit dem amerikanischen MILES-System (ähnlich dem deutschen AGDUS) eingerüstet (beides laserbasierte Gefechtssimulationssysteme).
Die Spähtruppführer machten sich in den Tagen vor der Übung im hochintensiven Gefecht ein Bild von der Lage und wurden dazu in einem AirRecce Flug im Blackhawk-Hubschrauber in das Gelände eingewiesen. Kurz darauf startete die in drei Phasen (Verzögerung, Verteidigung, Gegenangriff) angelegte Übung. Für die Späher hieß dies je nach ein Einsatzort jenseits der FEBA (Forward Edge of Battlespace Area), dass es einen mehr oder weniger langen Weg in Richtung des avisierten Verstecks gab.
Auftrag war es zeitgerecht und präzise Aufklärungsergebnisse zu liefern und zusätzlich im Zusammenwirken mit der Artillerie den Kampf in der Tiefe zu führen. Hierzu wurden zwei Spähzüge samt leichter Spähgruppe zwischen FEBA und Grenze des JMRC in Richtung Feind in Stellung gebracht. Drei weitere Spähzüge sowie der technische Aufklärungszug mussten die Maneuver-Rights-Area (MRA) außerhalb des Truppenübungsplatzes infiltrieren, um dort gegen die Spitzen des Feindes und im Anschluss gegen Folgekräfte, Artillerie und Versorgungsverkehr aufzuklären. Das alles ohne von den auch außerhalb des Übungsplatzes operierenden gegnerischen Kräften aufgeklärt zu werden. Zirka 12 Stunden nach Beginn der Aufklärungsoperation erreichten die Spähtrupps unter Überwachung der Drohnen ihre Verstecke. Auf dem Weg dahin mussten zwei Engstellen überwunden werden, welche durch die Spähzüge IV und V für die folgenden Kräfte offengehalten wurden, um ein möglichst effizientes Gewinnen der Versteckräume zu gewährleisten.
Im Versteck zeigte sich die gute Ausbildung am Heimatstandort. Ob im Wald, in Schonungen oder in Bauernhofscheunen gelang es dem Gegner nicht einen der Spähtrupps aufzuklären und aus der Übung zu nehmen. Alle spielten gemäß der Maxime „Alles sehen ohne gesehen zu werden“ ihre Stärken aus und konnten so zum klaren Lagebild im Gefechtstand beitragen. Dennoch war ALSP 24 auch eine lehrreiche Übung, musste man sich auf andere Fahrzeuge, Hubschrauber und anderes Gelände einstellen. So sprang der ein oder andere öfter bei einem Hubschrauberüberflug unter eine Plane in Deckung, um nicht erkannt zu werden.
Ebenso wurde auch ein fremder, nicht angemeldeter Schiedsrichter (im HMMVE fahrend – dies symbolisierte auch FdKr) durch einen Panzervernichtungstrupp begrüßt. Darüber hinaus mussten vom Systembediener bis zum Kommandanten alle ihr ganzes Wissen über Funk und Fernmeldeverbindungen abrufen, da in diesem herausfordernden Gelände nicht alles so einfach klappt wie in der Holsteinischen Schweiz zu hause. Letztendlich schafften es alle direkt oder via Relaisbetrieb ihre Aufklärungsergebnisse in den Gefechtsstand der 4./- zu bringen und so ihre Aufklärungswirkung zu entfalten. Auch stellten Lageänderungen in dieser dynamischen Übung keinen vor größere Herausforderungen. Bei Tag oder Nacht, aufgesessen oder abgesessen – kaum ein Feind konnte sich der Aufklärung entziehen. In der MRA im Osten wurden die Spitzen des Gegners schnell erkannt und im Verlauf der Verteidigung die Folgekräfte schnell und richtig identifiziert. Erwähnenswert ist hierbei noch, dass kurz vor Halbzeit der Übung es dem Spähtrupp von HFw J. nach einem Auftrag zur mobilen Aufklärung gegen Hochwertziele gelang ein feindliches Flugabwehrgeschütz mittels Panzerfaust zu vernichten. #DeepFight
In den zehn Tagen der Übung galt es die Motivation und Genauigkeit in den Spähtrupps hochzuhalten und das manchmal wilde Fahren der amerikanischen Feinddarstellung einzuordnen. Hier war es für manchen jungen Soldaten „ein erstes Mal“, dass er so lange unter seiner Plane und im FENNEK auskommen musste.
Alles in allem war ALSP 24 ein guter Lackmustest, um zu überprüfen, ob das in den letzten zwei Jahren antrainierte Wissen gut abgerufen werden konnte. Ich kann zumindest für meinen Spähzug resümieren, dass dies der Fall war und dieser krönende Abschluss der Zeit als Zugführer für den gesamten Zug einen weiteren Schritt nach vorn dargestellt hat. Nun gilt es die lessons learned und lessons identified zu konservieren, sodass im nächsten GÜZ- oder ALSP-Durchgang davon gezehrt werden kann.
OLt Jan- Philipp S.