Geschichtsträchtige Plätze

Politische Bildung vor Ort an geschichtsträchtigen Plätzen Wie passen Bundeshauptstadt Bonn und Hürtgenwald 1944 zusammen?

Der Stabszug führt Mitte November eine politische Bildungsfahrt in die „Bundesstadt Bonn“ durch. Nach der Anreise und dem Check-in wurden wir durch unseren Stabszugführer Hauptmann Jan-Philipp S. in das Wochenprogramm eingewiesen. Themen für diese Woche waren: Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, Entstehung der bundesrepublikanischen Ordnung sowie des Grundgesetzes. Abgeschlossen wurde die Woche durch den Besuch des Museums „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“. Wir erhielten eine Führung im Haus der Geschichte durch eine besondere Ausstellung: „NACH HITLER – Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“. Hier wurden die unterschiedlichen Blickwinkel der Generationen auf die nationalsozialistische Herrschaft und deren Umgang bis in die heutige Zeit beleuchtet. Ein weiterer Besuch führte uns vom Haus der Geschichte zum „alten Bundesrat“ bis in den Plenarsaal. Auf dem Weg dorthin wurden wir durch das ehemalige Bundesviertel geführt. Vorbei an vielen historischen Gebäuden, u.a. dem Palais Schaumburg und dem Bundeskanzleramt, gelangten wir schließlich zu einem Kiosk, dem „Bundesbüdchen“. Hier, wo sich alle von der Reinigungsfachkraft, über Bundestagsabgeordnete, Journalisten, ja bis hin zum Bundeskanzler beim Erwerb einer Zeitung, eines Kaffes oder Brötchen trafen, wurde „Politik gemacht“. Ein weiteres, für mich persönlich sehr ergreifendes Thema war die „Schlacht im Hürtgenwald“, die uns im Museum in einem sehr ausführlichen Vortrag erläutert wurde. Was mich so nachdenklich stimmte sind die Zahlen und Fakten; in den „Schlachten“ (Kämpfen) vom 06. Oktober 1944 bis zum 10. Februar 1945 wurden auf beiden Seiten (Alliierte Kräfte/ Deutsches Reich) über 12.000 Tote verbucht sowie über 90.000 Verluste (Verwundete) zusammen! Die Auslöschung eines einzigen Bataillons bei Kämpfen um eine Ortsverbindungsstraße an einem Tag sind hier nur ein trauriges Beispiel dieses Kriegsabschnitts in der Endphase des 2. WK und der sich abzeichnenden Niederlage des Deutschen Reiches. Hier wurde sehr deutlich aufgezeigt, was in der Geschichte fast immer das Ergebnis ist, wenn radikale Kräfte uneingeschränkte Macht bekommen. Im Anschluss besuchten wir unter Führung eines Ehrenamtlers des Museums einen original erhaltenen Sanitätsbunker in Simonskall und den Soldatenfriedhof Hürtgen. Danach wurden wir, in dem nahegelegenen Walde, an einen Kriegsschauplatz geführt, wo uns noch einmal Zahlen, Fakten und Handlungen verdeutlicht wurden – unter anderem Schützenmulden, die nachweislich gleichzeitig von beiden Kriegsparteien genutzt wurden, aber auch Stellungen und Gefechtsstände. Alles in allem war es eine sehr beeindruckende und wertvolle Weiterbildung, die meines Erachtens für unseren Beruf, unsere Berufung unabdingbar ist.

StFw Michael S.