Grußwort Kommandeur – 01/2022
Soldatinnen und Soldaten,
Freunde, Förderer und Kameraden des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“,
liebe Leserinnen und Leser!
Wer hat bei der Veröffentlichung der letzten Ausgabe des „Aufklärers“ damit gerechnet, dass nun für uns nicht mehr Corona im Mittelpunkt stehen würde? Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist eine „Zeitenwende“ eingetreten, die uns in ihrer Deutlichkeit in vielen Bereichen überraschte:
Blitzartig wurden Sanktionen umgesetzt, ein 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen zur Beseitigung von Defiziten im Wesentlichen im Bereich der Ausrüstung wurde beschlossen, Waffen und Ausrüstung wurden in die Ukraine geliefert – und der Corona-Einsatz der Bundeswehr wurde nach fast zwei Jahren beendet. Eine Folge der vorangehenden Lageentwicklung war auch, dass unsere Bundesministerin der Verteidigung bereits am 7. Februar öffentlich die Erhöhung der deutschen Truppenstärke in Litauen verkündet hat. Unter den zusätzlichen 350 Soldaten war auch unsere gemischte Aufklärungskompanie, die anstelle von einigen Wochen, kurzfristig für mehrere Monate nach Litauen verlegte. Deutschland unterstreicht mit der Entsendung dieser zusätzlichen Kräfte die Unterstützung seiner Bündnispartner und wird seiner Verantwortung in der NATO gerecht.
Die Landes- und Bündnisverteidigung ist die Kernaufgabe der Bundeswehr. Dass wir mehr können, haben wir oft und sichtbar unter Beweis gestellt: Ob bei Hochwasser und Schnee, der Flüchtlingshilfe oder über viele Monate hinweg bei der Corona-Amtshilfe. All diese Aufgaben haben unsere Soldatinnen und Soldaten gern und aus voller Überzeugung erfüllt. Zu keiner Zeit, an keinem Ort und egal für welche Tätigkeit, waren sie sich dafür zu schade.
Der ungeteilte Fokus liegt nun jedoch (wieder) auf der Landes- und Bündnisverteidigung. Hierfür bedarf es einer vollausgestatteten, gut ausgebildeten Bundeswehr. Es ist kein Geheimnis, dass die hierfür erforderliche Ausrüstung und das Großgerät in diversen Bereichen quantitativ, aber auch qualitativ nicht vorhanden ist. Wir blicken also gespannt in die Zukunft, sind aber Realisten genug, um zu verstehen, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis die Sichtbarkeit der beschlossenen Maßnahmen eintritt.
Dass unser Bataillon bereits jetzt fähig ist, in hochintensiven Szenarien zu bestehen, haben wir bei der vierwöchigen multinationalen Großübung ALLIED SPIRIT Anfang des Jahres in Hohenfels bewiesen. Über 6000 Soldaten aus zwölf Nationen, ein hybrides, anspruchsvolles Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung und durchgehende Minusgrade im anspruchsvollen Gelände der Oberpfalz verlangten uns viel ab, bewiesen aber zugleich, dass die Eutiner Soldatinnen und Soldaten in ihrer Robustheit und Leistungsfähigkeit überzeugen können und über das für LV/BV erforderliche, viel zitierte „Mindset“ verfügen. Die in der Übung gesammelten Erfahrungen und Lehren werden nun einen wesentlichen Einfluss auf die Aus- und Weiterbildungsplanungen der folgenden Monate haben.
Als unsere Soldaten nach den vier Wochen in Hohenfels endlich in der Garnison zurück waren, wurde jedoch kein Urlaub gemacht, sondern wurden konzentriert und schnell die Fahrzeuge und das Material nachbereitet, um diese für den Auftrag in Litauen vorzubereiten.
Unsere gemischte Aufklärungskompanie und alle anderen entsendeten Soldaten unseres Bataillons haben in der 11. Rotation eFP in Litauen durch ihre Professionalität und Motivation überzeugt. Wie immer hatte dabei die Kameradschaft durch ihre Unterstützung einen wesentlichen Anteil daran.
Derzeit befindet sich jedoch auch ein Feldnachrichtenzug der 3.Kompanie im KFOR-Einsatz und wird erst im September zurückkehren. Auch diese Soldaten überzeugen dort in gewohnter Manier.
Bereits im Januar 2023 wird erneut eine gemischte Aufklärungskompanie in der 13. Rotation eFP nach Litauen verlegen. Der Schwerpunkt des Bataillons liegt daher in der zweiten Jahreshälfte 2022 in der Ausbildung und Beübung unserer Soldaten für diese wichtige Aufgabe. Es wird also nicht langweilig in Eutin. Die Unterstützung aus der Bevölkerung und allen voran unserer Kameradschaft ist enorm. Hierfür bedanke ich mich ausdrücklich!
Ich wünsche Ihnen nun viel Freude mit der Lektüre des Aufklärers und freue mich auf ein baldiges Wiedersehen in Präsenz!
Mit kräftigem Horrido
Ihr
Hendrik Hoffmann
Oberstleutnant