HOLSTEIN EXTREM

Fiktive Erzählung zu der Teilnahme an der Bataillonsdurchschlageübung

Es war Freitag, der 02. Juni 2023. Niemand wusste mit Sicherheit, was geschah. Es fühlte sich so an, als würden wir auf ein großes Manöver fahren. Das gesamte Bataillon hat Waffen und Geräte empfangen. Aus Plön wurden noch zusätzliche Fahrzeuge abgeholt. Aber irgendetwas war anders. Ich habe die Spannung bei den höheren Dienstgraden bemerkt. Man konnte es in ihren Augen erkennen, dass sie unsicher waren und nichts sagten, um keine Massenpanik auszulösen. Es war 12:00 Uhr, die Uhrzeit, zu der ich normalerweise an einem Freitag nach Hause fahre. Aber heute nicht. An diesem Freitag, dem 02. Juni 2023, sollte es nicht so sein. Ich versuchte meine Partnerin anzurufen, es schien aber so, als wäre das Mobiltelefonnetz überlastet oder so was. Der Anruf ging nicht raus. Ich fragte mich durch den Kameradenkreis durch. Ich wollte wissen, ob die so viel wussten wie ich. Mehr als Gerüchte erfuhr ich aber zu dem Zeitpunkt nicht. Die Zeit verging und wir warteten auf weiß Gott, wen oder was.

Kein Blick für den Sonnenaufgang - ein Tagesversteck muss rasch bezogen werden

Auf einmal musste es ganz schnell gehen. „Alle aufsitzen!
Abmarschbereitschaft der Fahrzeuge durch die Kommandanten bis 2050 Uhr an mich melden! Im Anschluss Funküberprüfung!“ Ich bekam von meinem Kommandanten die Marschstrecke gezeigt. Anscheinend sollten wir in die Wüstenei verlegen. Üblicherweise haben wir im Rahmen der Ausbildung vor Ort einen Verfügungsraum bezogen und biwakiert. Dieses Mal sollte es nicht anders sein. Dieses Mal begleitete uns aber auf dem Marschweg in die Wüstenei ein Schatten der Angst. In der Stille hörte ich nur die Motorgeräusche. Angekommen in der Wüstenei stand schon unser KTF parat und hat uns in die jeweilige Fahrzeugbox eingewiesen. Bis hier hin war alles wie gewohnt.

Bis wir mit der Abtarnung der Fahrzeuge und der Nachbereitung des Marsches fertig waren, war der neue Tag schon angebrochen. Von unserem Gruppenführer bekamen wir ein Schichtsystem an dem wir uns erst mal bis Sonntag gehalten haben.
Die Stunden wurden mit jedem Schichtwechsel monotoner und langweiliger. Highlight des Tages war es immer, wenn der Spieß mit Verpflegung ankam.
In der Nacht von Sonntag auf Montag, dem 05. Juni 2023, hatte ich gerade den Alarmposten übergeben und ich legte mich in den Schlafsack, um zu ruhen. Es müsste 0200 Uhr gewesen sein. Plötzlich wurde ich geweckt. Ich konnte nicht vollständig verstehen, was passierte. Aber ein stiller Alarm wurde ausgelöst. Ich schlüpfte rasch in meine Kampfausrüstung und floss in meine Alarmstellung hinein. In der Ferne, in Richtung Süden konnte man Motorgeräusche hören. Ich fragte mich, ob es vielleicht die Fahrzeuge unserer eigenen Späher wären. Die Motorgeräusche kamen näher und die Aufregung stieg. In der Ferne erkannte ich die ersten Fahrzeuge. Die Fahrzeuge, die uns gegenüber standen, sahen so aus wie unsere Transportpanzer Fuchs. Zu erkennen, dass es sich aber nicht um unsere Transportpanzer Fuchs handelte, war eine Art Erleuchtung für mich. Erst dann wurde es mir klar. Ich spürte es. Wir waren im Krieg.
So schnell, wie sich der Feind unserer Stellungen nährte, konnten wir gar nicht reagieren. Auf Pfiff wurde der erste scharfe Feuerüberfall befohlen. Dieser enttarnte aber unseren eigenen Standort. Und dann richteten sich die feindlichen Kanonen auf uns. Wir gerieten in ein heftiges Feuergefecht. Durch das Adrenalin habe ich nur noch funktioniert. Ich versuchte so lange wie möglich meine Stellung zu halten und auf die Kommandos des Gruppenführers zu hören. Aber irgendwann hörte ich nichts mehr. Nur noch die feindlichen Geschosse, die mich knapp verpassten. Ich stellte fest, dass ich ganz alleine dort war. Ich weiß nicht, wo die anderen waren. Vor der aussichtslosen Lage entschloss ich mich, meine Stellung zu verlassen, auszuweichen und den nächsten befohlenen Sammelpunkt zu gewinnen. Langsam wurde es hell. Angekommen am Sammelpunkt erkannte ich weitere deutsche Soldaten. In der Befehlsgebung vor dem Abmarsch in die Wüstenei hieß es, in Eutin, würden sich eigene Kräfte befinden.
Wir waren vierzehn an der Zahl. Den einen oder anderen hatte ich schon mal gesehen oder gesprochen. Viele von denen hatten ein ähnliches Los wie ich erlitten. Andere wiederum waren beispielsweise mit dem Fahrzeug stehen geblieben und wurden von anderen Soldaten aufgegabelt und einfach mitgeführt. Einer der Soldaten, die am Sammelpunkt waren, war ein Oberleutnant. Er übernahm sofort die Führung. Da es bereits hell wurde, haben wir als aller erstes ein Tagesversteck bezogen. Der Oberleutnant befahl uns zu ruhen und abwechselnd zu sichern, bis Einbruch der Nacht. Da gefühlt niemand mit so einer Notlage gerechnet hatte, hatten wir definitiv nicht genug Verpflegung oder Wasser bei uns. An Munition mangelte es bei fast allen. Gegen 2100 Uhr haben wir unser Tagesversteck abgebaut und setzten uns auf dem Marsch in allgemeiner Richtung Norden.

Das nächste Sprungziel war die Ortschaft Ahrensbök. Es war sehr schwer, bei Nacht zu marschieren. Man konnte kaum was sehen. Dazu hat der Oberleutnant befohlen, keine Straßen auf dem Marsch zu nutzen und vor allem kein Licht.
Auf Höhe Dissau war das Gelände sehr offen. Der Mond leuchtete das Gelände aus. Anfangs dachte ich, das wäre gut. Ich war bis dahin so oft im Wald gestolpert. Das passierte nun nicht mehr. Bald erfuhr ich, wieso der Oberleutnant kurz gezögert hatte, als es darum ging, wie wir diese Freifläche überwinden würden. Waagerechter Bleiregen erreichte uns aus Richtung der Ortschaft. Wir wurden aufgeklärt. Gott sei Dank keine Ausfälle. Im Durcheinander sorgte der Oberleutnant mit seinen Kommandos für etwas Ordnung. Wir wichen aus. Wir nutzten das Gelände und verschwanden temporär hinter einer Bodenwelle. In dem Zuge bewegten wir uns weiter, bis wir einen Knick erreichten. Überschlagend ist es uns gelungen, hinter dem Knick gut voran zu kommen. Wir nutzten ihn als Bauernlineal, bis wir in der Ferne einen Wald erkennen konnten. Die Hoffnung war, uns im Wald verdeckt bewegen zu können, was uns dann auch gelungen ist. Im Wald marschierten wir mit schnellen Schritten, um Abstand zum Feind zu gewinnen. Ich fühlte mich müde und war durstig. Aber aufzugeben stand nicht zur Wahl. Wir mussten an einer Stelle ein Gewässer überwinden. Die Strömung war aber zu stark, sodass wir einen einfachen Seilsteg aufbauen mussten. Unter Eigensicherung wurde ein Seil zwischen zwei Bäumen so verzurrt, dass die gesamte Gruppe das Gewässer im „Kommandocrowl“ oder im „Bärenhang“ überwinden konnte. Ich nutzte die wenigen Minuten, in denen einige meiner neu kennengelernten Kameraden das Gewässer überwanden, um die Stiefel neu zu schnüren.

Wir passierten Ahrensbök ostwärts und schlugen uns weiter in Richtung Norden durch. Wir nutzten alle Waldstücke, die auf unserem Marschweg waren. Nördlich von Ahrensburg erkannten dann die Nahsicherer ein unbekanntes militärisches Fahrzeug. Der Oberleutnant ließ uns alle unterziehen und ging mit den Nahsicherern vor, um sich ein Lagebild zu verschaffen. Nach kurzer Zeit kam er zurück zu der Gruppe. Wie aus der Pistole geschossen wies er uns mit einem Gefechtsbefehl für den Handstreich nach FNAKI ein. Ich war im Sturmtrupp. Der Adrenalinspiegel in meinem Blut stieg, je näher wir am Fahrzeug waren.
Es Schien ein feindliches Fahrzeug zu sein, das einfach stehen geblieben war. Die zwei Soldaten schienen tiefenentspannt zu sein. So schnell wie wir dabei waren, das Fahrzeug zu durchsuchen, konnte ich gar nicht denken. Als wir alles aufgenommen hatten, was mitzunehmen war, sammelten wir alle Teile des Handstreichs am durch den Oberleutnant befohlenen Ort und verließen den Ort des Geschehens geschwind. Die ersten Sonnenstrahlen waren hinter dem Horizont zu erahnen und wir mussten uns einen Tagesversteck suchen. Es waren sehr anstrengende Stunden gewesen. Das konnte man jedem von uns ansehen. Aber wir haben nie aufgegeben. Die Zeit nutzten wir zum Ruhen und sichern. Diese Routine hatten wir langsam verinnerlicht. Einige Stunden später hörte man Motorgeräusche. Dies hat uns in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Der Oberleutnant befahl uns, so gedeckt wie möglich zu handeln. Wir stellten Abmarschbereitschaft her und hofften nicht aufgeklärt zu werden. Plötzlich hörte man einen Lautsprecher: „Deutsche Soldaten, legt die Waffen nieder und ergebt euch. Marschiert in Richtung Süden. Der Krieg ist für euch vorbei!“. „Das ist nur feindliche Propaganda, um uns aus dem Versteck herauszulocken!“, sagte der stellvertretende Gruppenführer. Plötzlich knirschte es im Wald. Als würden jemand den Wald durchkämmen. Zwischen den Bäumen konnte man die ersten Soldaten sehen. Irgendwie müssen sie gewusst haben, dass sich deutsche Soldaten im Wald versteckt hatten. So still wie möglich wichen wir überschlagend aus. Und dann fiel der erste Schuss. Die haben uns gejagt und wir gerieten erneut in ein heftiges Feuergefecht. Wir haben es geschafft, uns von dem Feind zu lösen und bewegten uns jetzt in Richtung Osten.
Es war sehr heiß. Glücklicherweise hatten wir bei dem Handstreich ebenfalls einige Liter Wasser auffüllen können. Geländebedingt endeten wir am Ufer eines Sees. Der Oberleutnant sagte uns, wir müssten das Gewässer überwinden, und dann hätten wir es auch bald geschafft. Jeder baute sich ein Zeltbahnpaket. Ohne zu zögern gingen wir alle ins Wasser. Die Strecke, die wir überwinden mussten, kam einem so verdammt lang vor. Aber das Wasser war erfrischend.
Jenseits des Gewässers angekommen, war auch bald wieder Sonnenuntergang. Wir marschierten von dort direkt zum Standortübungsplatz Eutin. Es müssten nur noch fünf Kilometer gewesen sein. Mitten in der Nacht bezogen wir ein Versteck und bereiteten alles zur Aufnahme vor. Wir versuchten Funkverbindung herzustellen, leider blieb es beim Versuch. Es meldete sich niemand zurück. Stündlich meldeten wir uns blind über Funk. Keine Antwort.
Ich wurde plötzlich geweckt, da es meine Zeit zum Ruhen war. Ein Kamerad sagte mir, ich sollte mich schnell fertigmachen, da wir bald von Rettungskräften aufgenommen werden würden. Ich konnte es nicht glauben. Ich packte meine Sachen zusammen und wartete. Motorgeräusche waren in der Ferne zu hören. Der Oberleutnant sagte: „Jetzt!“ und wir rannten in Richtung Straße, wo auch schon zwei Transportpanzer Fuchs standen. Wir hatten es geschafft. Wir sind durch die Hölle marschiert und wurden
gerettet. Jetzt waren wir in Sicherheit.

H Erik P.-O.