HOLSTEIN PEGASUS

Die „Adler von Sechs“ in Altengrabow und Munster

Der Übung Holstein Pegasus ging eine Achterbahnfahrt der Lageänderungen voraus – Covid-19 bedingte Einschränkungen, die Verfügbarkeit von Material und schlussendlich der Übungsräume machten der 4.Kompanie zu schaffen. So wurde nach offizieller Absage der geplanten Brigadeübung im Gefechtsübungszentrum des Heeres nach jedem Strohhalm gegriffen, um immerhin die Fähigkeit der unbemannten Luftaufklärung des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ zu beüben.

Der Name der Übung war schnell gefunden – Holstein Pegasus, in Anlehnung an das Kompaniewappen der 4./AufklBtl 6, ein Vorhaben, welches innerhalb kürzester Zeit von der Brigade herunter auf die Ebene der Kompanie schrumpfte und dennoch in keiner Weise ihre Wichtigkeit und Notwendigkeit für die Soldaten und Soldatinnen der Kompanie verlor. Die noch immer geltenden Auflagen der Krankheitsprävention machten den organisatorischen Aufwand allerdings geringfügig aufwendiger: mehr Unterkunftsblöcke, mehr Kleinfahrzeuge, möglichst größere Räume; kurzum: Mehr von allem als üblich für weniger Personal als gewöhnlich.
In der Vorwoche der Übung fand der Quartalsappell des Bataillons statt und die anderen Kompanien wurden in ihren Jahresurlaub verabschiedet, die Vierte (und fairerweise sei gesagt Teile der ersten Kompanie, ohne die wir dem Hunger anheimgefallen wären) nahm jedoch gerade erst Fahrt auf und stellte letzte Maßnahmen vor Übungsbeginn ab. Nach der kurzen aber intensiven  Vorbereitungsphase startete die Übung schließlich am 29. Juni mit dem Gefechtsmarsch von Eutin nach Altengrabow und Munster. Zwei Marschziele? Dazu kommen wir noch.
Im Gefechtsmarsch verlegten die Hauptkräfte nach Altengrabow. Sie bestanden aus dem KZO-Zug, dem Gefechtsstand und der Kompanieführung, während der technische Aufklärungszug sich am Standort bereits auf die nächste Übung im Verbund mit der 2.Kompanie vorbereitete. Nach dem Erreichen und Beziehen des Truppenlagers Altengrabow begann die verzuglose Ausbildung innerhalb der Teileinheiten.
Die Ausbildungsthemen im Einzelnen: Der KZO-Zug führte aus dem Einsatzraum Feldflugplatz Altengrabow Aufklärungsflüge im taktischen Flugbetrieb durch. Trotz der grundsätzlichen Eignung und Bezeichnung als Feldflugplatz stellte der Raum mit seinen schnell wechselnden Winden eine Herausforderung dar, die das System jedoch meist bewältigte. So wurde am 07.07.2020 der 200. Flug KZO erfolgreich für den Verband durchgeführt.
Der Gefechtsstand wurde unter Führung des neuen Teileinheitsführers im Herstellen der Einsatzbereitschaft und dem Betreiben eines Unterstützungsgefechtsstandes ausgebildet und konzentrierte sich auf die vertiefende Dienstpostenausbildung und Schulung an neuem Gerät. Die Kompanieführung begleitete die Vorhaben mit wachem Blick und bildete gleichzeitig ihre Soldaten in weiterführenden Ausbildungen fort. Unterstützt wurde die 4.Kompanie dabei durch einen Teil der Verpflegungsgruppe der 1.Kompanie, die durch ihre Kochkünste zur guten Verpflegung und Moral der Truppe beitrugen. Diese Abschnitte wurden in den kommenden beiden Wochen intensiviert und ergaben in ihrer Gesamtheit ein rundes Bild.
Ganz so rund lief es in der Planungsphase zu Holstein Pegasus leider nicht – durch den kurzfristigen Wegfall systemrelevanter Geräte des LUNA-Zuges wäre ein geschlossener Aufenthalt der Kompanie in Altengrabow nur unter erheblichem Mehraufwand möglich gewesen. Aus diesem Grund begann eine ebenso kurzfristige Alternativplanung, die schließlich zu einem kombinierten Vorhaben mit dem Ausbildungszentrum Munster führte. So kamen Personal und Material aus Eutin mit den Lehrgangsteilnehmern und Einrichtungen der III. Inspektion zusammen und es konnte ein für beide Seiten lehrreiches und erfolgreiches Vorhaben angelegt werden. Die Teilnehmer des Offizierlehrgang 3 beübten sich abwechselnd als Zugführer, Flugdienstleiter und Sicherheitsoffizier im aktiven Flugdienst, während der LUNA-Zug taktischen Flugbetrieb durchführte und den Lizenzerhalt der Fluggeräteeinsatzfeldwebel sicherstellen konnte.

Ein weiterer Teil dieser Übung war der Gefechtsmarsch des LUNA Zuges von Munster nach Altengrabow, um vor Ort mit den Hauptkräften der 4.Kompanie zu koppeln und so auch am Wochenende Aufklärungsergebnisse aus der Luft zu generieren. Trotz rechtzeitiger Anforderung trat das georderte Wetter nicht ein, so dass den Schwerpunkt am Wochenende das Beziehen von Einsatzräumen und das Verhalten bei Auftreffen auf Feind bildete.
Der Kameradschaftsabend am Samstag diente allen Soldaten, in den Folgetagen trotz der nicht optimalen Rahmenbedingungen wieder motiviert durchzustarten. In dieser Runde wurden darüber hinaus verdiente Kameraden ausgezeichnet, aber auch einige während ihres letzten Truppenübungsplatzaufenthaltes in einem würdigen Rahmen unter Einhaltung aller Corona-Auflagen verabschiedet. Im geschlossenen Kompanierahmen verging auf diese Weise das Wochenende – auch ohne dafür geeignetes Wetter – wie im Fluge und die Teile des LUNA-Zuges marschierten am Montag zurück an den Standort Munster. Dort wurde die zweite Woche des Flugvorhabens eingeleitet und so weitere Fortschritte in Ausbildung und Übung gemacht.
Die in Altengrabow verbliebenen Hauptkräfte führten ihre Ausbildungsabschnitte im Laufe der Woche ebenfalls fort. Beide Teile der Kompanie marschierten erneut getrennt zurück an den Heimatstandort Eutin und machten sich, während das sommerliche Wetter bereits weite Teile Deutschlands an die Strände lockte, an die Übungsnachbereitung.

Insgesamt wurden während der Übung innerhalb von acht Flugtagen 31 Aufklärungsflüge absolviert, nicht zu vergessen der bereits erwähnte Jubiläumsflug KZO. Die Maßnahmen der Ansteckungsvermeidung spielten insbesondere während der Planung und des Anlegens des Vorhabens eine wichtige Rolle, die zu häufigen Änderungen und notwendigen Anpassungen führten. Durch die bereits erlebten Erfahrungen im Regelbetrieb stellten Sie jedoch keine allzu große Umstellung für die Soldaten dar und führte zu eher geringen Einschränkungen. Dieser Umstand lässt sich aber nicht ohne weiteres auf jedes Vorhaben übertragen.
Unser Dank gilt nochmals der Verpflegungsgruppe der 1.Kompanie, die uns hervorragend versorgt hat und dem Ausbildungszentrum Munster mit der III. Inspektion, die kurzfristig die Durchführung der Übung für den LUNA-Zug ermöglichten.

OL Koppitz und OL Bethien