Im Porträt

Der neue Kommandeur Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“, Oberstleutnant Andreas Fetzer

Nach der Übernahme des Kommandos am 29. August 2024 stellt sich Oberstleutnant Fetzer den Fragen des 1. Sprechers
der Kameradschaft, OTL a.D. Walter Hertz.

Hertz: Herr Oberstleutnant Fetzer, zunächst meinen Glückwunsch zur Übernahme des Kommandos. Alles Gute und viel Fortune bei der Wahrnehmung dieser herausragenden und verantwortungsvollen Aufgabe.

Frage: Darf ich Sie zu Beginn des Gesprächs bitten, sich unseren Lesern zunächst mit einigen „technischen Daten“ vorzustellen.

Antwort: Vielen Dank für die Glückwünsche. Mein Name ist Andreas Fetzer, ich bin 45 Jahre alt, verheiratet und Vater einer 12-jährigen Tochter. Mit meiner Familie lebe ich seit 2014 in Dresden, gebürtig stamme ich aus Bayern und bin in Regensburg aufgewachsen. 1998 trat ich beim Panzeraufklärungsbataillon 12 in Ebern in die Bundeswehr ein und durchlief zunächst die Ausbildung zum Offizier im Gebirgspanzeraufklärungsbataillon 8 in Freyung, an der Panzertruppenschule in Munster sowie an der Offizierschule des Heeres. Da ich nicht studiert habe, wurde ich 2001 zum Panzeraufklärungsbataillon 6 nach Eutin versetzt, wo ich bis 2007 als Zugführer, S3 Offizier und Kompanieeinsatzoffizier eingesetzt war. Im Anschluss führte mich mein Weg von 2007 bis 2008 über die Verwendung als S3 Offizier im Stab der Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ in Amberg zum Aufklärungsbataillon 8 nach Freyung im Bayerischen Wald, wo ich von 2008 bis 2011 Kompaniechef war. Nach einem kurzen „Gastspiel“ an der Unteroffizierschule des Heeres in Weiden in der Oberpfalz von 2011 bis 2012 kehrte ich zum Aufklärungsbataillon 8 nach Freyung zurück, um dort für zwei Jahre bis 2014 als S3 Stabsoffizier verwendet zu werden. Im Jahr 2014 wurde ich an die Offizierschule des Heeres versetzt, wo ich bis 2018 als Hörsaalleiter eingesetzt war. Daran anschließend durfte ich nach Eutin zum Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ zurückkehren und dem Verband als Stellvertretender Bataillonskommandeur dienen. Nach dieser Zeit war ich für anderthalb Jahre im Kommando Heer als Einsatzstabsoffizier bzw. Adjutant beim Kommandeur Militärische Grundorganisation / Deutsche Anteile Multinationale Korps, Herrn Generalleutnant Stephan Thomas und Herrn Generalleutnant Andreas Marlow, von 2021 bis 2023 eingesetzt. Bevor ich nach Eutin als Kommandeur zurückkehren durfte, war ich nochmals an der Offizierschule des Heeres, wo ich in den Jahren 2023 und 2024 die XII. Inspektion als Chef führen durfte. Insgesamt nahm ich an fünf Auslandeinsätzen teil, einmal in Bosnien-Herzegowina bei SFOR und viermal in Afghanistan bei ISAF. Darüber hinaus nahm ich an der europäischen Ausbildungsmission EUMAM UKRAINE teil.

Frage: Ihrer Vita entnehme ich, dass das Aufklärungsbataillon 6 und auch der Standort Eutin Ihnen also bereits aus mehreren Vorverwendungen bekannt ist. Was bedeutet es für Sie, gerade in Eutin diese Kommandeursverwendung zu bekleiden?

Antwort: Ich sehe das Aufklärungsbataillon 6 als meine militärische Heimat an. Hier hatte ich nach meiner Ausbildung zum Offizier meine ersten Verwendungen, welche mich bis heute prägen. Auch die Zeit, die ich als Stellvertreter hier hatte, möchte ich nicht missen. Im Laufe der Verwendungen hier am Standort habe ich viele tolle Menschen kennengelernt, die mir ans Herz gewachsen sind. Ich bin daher sehr stolz, in meiner nun definitiv leider letzten Verwendung hier in Eutin, das Bataillon führen und ihm dienen zu dürfen. Für mich hat sich mit dieser Verwendung ein Traum erfüllt.

Frage: Hat der vom ersten Kommandeur, Oberst Herrmann, geprägte Satz und das heutige Bataillonsmotto „Kinders, wir sind nicht besser als die Anderen, wir sind nur anders“ heute noch diese prägende Bedeutung?

Antwort: Definitiv. Elitäres Gehabe und sich für etwas Besseres halten lehne ich entschieden ab und toleriere dies auch nicht. Wir sind nicht besser als andere Bataillone oder Truppengattungen. Es ist so, dass das Aufklärungsbataillon 6 einen guten Ruf genießt, was in erster Linie an den Frauen und Männern liegt, die hier dienen und das unabhängig vom Dienstgrad. Es ist ein gutes Miteinander im Verband, eine professionelle Einstellung sowie eine Verbundenheit zum Bataillon, über Kompaniegrenzen hinweg.Darüber hinaus haben sich in 66 Jahren Bataillonsgeschichte Bräuche und Traditionen entwickelt, die ich so von anderen Standorten und Verbänden nicht kenne. Auch die tiefe Verwurzelung des Bataillons in der Region und das ehrliche Interesse der Menschen hier an ihren Soldaten ist etwas Besonderes. Und daran hat auch die Kameradschaft Aufklärungsbataillon 6 einen erheblichen Anteil.
Frage: Wie fühlen Sie sich eigentlich als Bayer im hohen Norden, beim Heer am Meer?

Antwort: Ich fühle mich hier sehr wohl, meine Familie ebenfalls. Ostholstein mit der Holsteinischen Schweiz und der Ostsee ist eine der schönsten Regionen Deutschlands. Auch die Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, machen es hier so lebenswert. Darüber hinaus ist aus meiner Sicht der Unterschied zwischen den Menschen – vom Dialekt mal abgesehen – gar nicht so groß. Wie in meiner oberpfälzischen Heimat sind die Menschen hier im Norden bodenständig, erdverwachsen und heimatliebend.

Frage: Die Aufgaben und Anforderungen sind für alle Soldaten in der derzeitigen prekären Sicherheitslage in besonderem Maße herausfordernd. Wo sehen Sie kurz- und mittelfristig die größten Herausforderungen für das Bataillon?

Antwort: Aus meiner Sicht ist die größte Herausforderung für das Bataillon das Herstellen und halten einer hohen Einsatzbereitschaft bei einem hohen Ausbildungsstand und entsprechender Motivation aller im Bataillon Dienenden, ganz gleich ob in Uniform oder in Zivil. Die Rahmenbedingungen hierfür sind dabei unverändert schwierig. Als Beispiel hierfür sind die unverändert unzureichende Verfügbarkeit von Großgerät und Ausrüstung zu nennen, wenngleich sich die Lage hierbei in einigen Bereichen, wie bei der persönlichen Ausrüstung, spürbar verbessert hat. Weiterhin beschäftigt mich, wie schon zu meiner Zeit als Stellvertreter, das Thema Infrastruktur, welche hier am Standort – mal freundlich ausgedrückt – echt nicht gut ist. Darüber hinaus gilt es auch, das Bataillon zukunftsfähig zu machen im Sinne der Nachwuchsgewinnung.

Frage: Aus Ihrer Vita geht klar hervor, dass Führung und Ausbildung zentrale Bereiche auf Ihrem bisherigen Weg waren. Welche Prioritäten und Schwerpunkte haben Sie sich für die ersten Tage vorgenommen oder beschäftigen Sie besonders?

Antwort: Die ersten 100 Tage dienen mir zunächst einmal zur Lagefeststellung, sprich, wo steht das Bataillon, welche Aufträge und Verpflichtungen haben wir in den kommenden 15 Monaten? Zunächst gilt es jedoch im Wesentlichen, die offenen Aufträge im Lastenheft des Verbandes erstmal abzuarbeiten. Hier sind die Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte im Rahmen der europäischen Ausbildungsmission, die Sicherstellung des KFOR-Einsatzes sowie die Durchführung der Technischen Material Prüfung zu nennen. Ein Gestalten ist erst im Jahr 2025 möglich, da dies für das Bataillon ein Ausbildungsjahr sein wird.

Frage: Der Dienst als Kommandeur ist zweifellos vielseitig, aber auch fordernd. Womit entspannen Sie sich, wie halten Sie sich fit, welche Interessen und Hobbies beschäftigen Sie in Ihrer sicherlich knappen freien Zeit?

Antwort: Zunächst versuche ich möglichst viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Ansonsten findet man mich in meiner Freizeit viel im, am oder auf dem Wasser. Ich bin begeisterter Motorbootfahrer und liebe das Wasserwandern damit. Zu den sportlichen Aktivitäten im Frühjahr und Sommer zählen Schwimmen, Bogenschießen und Radfahren. Weiterhin gehe ich gerne Angeln, wofür sich die vielen Seen hier in Schleswig-Holstein geradezu anbieten. Im Winter habe Skifahren und Modellbau als Hobbies für mich entdeckt.

Frage: Herr Oberstleutnant Fetzer, ich danke Ihnen sehr für dieses Gespräch und für die offenen Worte. Ich kann Ihnen versichern, dass Sie in der Kameradschaft auch in Zukunft einen treuen Begleiter haben werden, der sich nicht nur interessiert, sondern auch hilft und unterstützt wo immer es nötig und möglich ist. Das letzte Wort gehört Ihnen. Gibt es noch eine Botschaft, ein Detail, eine Information, die Sie unseren Lesern mitteilen möchten?

Antwort: In erster Linie möchte ich mich an dieser Stelle für die erneute freundliche, kameradschaftliche und zuvorkommende Aufnahme von meiner Familie und mir im Bataillon und am Standort bedanken. Ich freue mich sehr auf die kommenden drei Jahre, viele schöne gemeinsame Momente und Ereignisse sowie auf eine gute Zeit. Bleiben Sie uns, Ihren Eutiner Aufklärern, verbunden und gewogen!