Nationaler Veteranentag
mit großer Mehrheit legte Das Parlament den
15. Juni als Veteranentag fest
Wer hätte das gedacht: Das Parlament beschließt mit großer Mehrheit einen nationalen Veteranentag, der erstmals 2025 bundesweit begangen werden soll. Dieser Tag ist kein gesetzlicher Feiertag, vielmehr ein Gedenktag, der dem besonderen Dienst der Soldaten mehr Sichtbarkeit geben soll und den Einsatz aller Soldaten der Bundeswehr, ob als Wehrpflichtiger, Soldat auf Zeit oder als Berufssoldat anerkennt und würdigt.
Diese Veteranendefinition ist im Gegensatz zu den Veteranen in den meisten Nato-Staaten sehr weit gefasst und betrifft sowohl die 500 000 Soldaten der Bundeswehr mit Einsatzerfahrung als auch die 10 000 000 Wehrpflichtigen, Zeit- und Berufssoldaten.
Blicken wir in die jüngere Vergangenheit, so kann man festzustellen, dass in Deutschland alles Militärische eher mit skeptischer Zurückhaltung oder gar Ablehnung betrachtet wurde, was mit Blick auf die Verbrechen der Nationalsozialisten, die verheerenden Folgen des verlorenen 2. Weltkrieges und den Missbrauch einer ganzen Generation nachvollziehbar ist. Dies spiegelt sich deutlich in dem Bekenntnis “Nie wieder“.
Ganze Abiturjahrgänge verweigerten damals den Wehrdienst, Soldaten durften ungestraft Mörder genannt werden, und nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes sah man sich nur noch von Freunden umgeben und man erwartete den ewigen Frieden. Der Verteidigungshaushalt wurde als Steinbruch für viele andere Zwecke genutzt: die Friedensdividende wurde eingefahren. Wie geschichtsvergessen!
Nun haben wir eine Zeitenwende: Kriege sind auch in Europa und in der Peripherie nicht nur denkbar, sondern real. Krieg wird wieder Krieg genannt. Besonders der Krieg Russlands gegen die Ukraine und gegen die westliche, demokratische Welt macht es offensichtlich „nie wieder ist jetzt“. Es wird deutlich, dass Soldaten zum Schutz und zur Verteidigung des eigenen Landes und unserer Verbündeten wieder – besser: immer noch – nötig sind. Deutsche Soldaten sind in den internationalen Einsätzen gefallen, wurden verwundet an Leib und Seele. Darauf musste es eine klare Antwort geben. Zunächst galt es daher, die Nachsorge für erlittene Schäden der neuen Realität anzupassen, also die Fürsorge, Reha-Maßnahmen und Therapieangebote zu verbessern. Darüber hinaus ging es aber auch um Wertschätzung und Anerkennung der Soldaten als auch um das gesellschaftliche Verständnis für den Militärdienst.
Dies geschieht bereits durch die von Großbritannien initiierten Invictus Games – eine internationale Sport-Großveranstaltung der “Unbesiegten“, zuletzt in Düsseldorf ausgerichtet. Auch die „Gelbe Schleife“ am Revers, in Kneipen und Geschäften oder auf Ortsschildern sind öffentliche Bekenntnisse der Solidarität, ebenso wie das Veteranenabzeichen. Nun also, nach 10 Jahren Diskussion, auch der Veteranentag am 15.Juni, dem Tag der ersten Verleihung eines Veteranenabzeichens.
Dieser Tag soll ab 2025 unter der Schirmherrschaft der Präsidentin des deutschen Bundestages eine zentrale Veranstaltung in Berlin beinhalten, und nach dem Willen des Veteranenverbandes im Kern als familienfreundliches Volksfest in den Ländern, Städten und Garnisonen begangen werden, keine Parade, keine Demonstration militärischer Macht. Der Tag soll Soldaten sichtbar machen. Ein Konzept dazu ist in Arbeit. Wir werden die Entwicklung im Auge behalten.
Jetzt sind wir also auch endlich dort angekommen, wo unsere NATO-Partner schon lange und in alter Tradition sind: Ein Veteranentag, der den Soldaten und Soldatinnen für ihren Dienst Aufmerksamkeit und Anerkennung gibt.
Walter Hertz