Vortrag von Admiral a.D. Joachim Rühle

Aktuelle Sicherheitspolitische Herausforderungen der NATO

Traditionell fand im Kasino der Oberst-Herrmann-Kaserne im Anschluss an die jährliche Mitgliederversammlung unseres Vereins der Freunde und Förderer des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ unser gemeinsam mit dem Bataillon ausgerichteter Vortragsabend statt, diesmal am 16. September 2025. Zu uns sprach Admiral a. D. Joachim Rühle, bis September 2024 Chef des Stabes bei SHAPE (NATO) in Mons, Belgien. Das Thema seines Vortrags lautete: „Aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen der NATO.“ Wer könnte besser davon berichten als Admiral Rühle, der bis vor einem Jahr noch aktiv „im Auge des Sturms“ war.


So fiel denn auch sein frei gehaltener Vortrag aus: ein lebendiger Bericht aus den eigenen Erfahrungen mit einer Zeitreise durch die letzten Jahre, insbesondere der zunehmenden, schleichenden Eskalation seit 2014 mit der Krim-Einnahme durch Russland, dem im Handstreich zunächst gescheiterten Ukraine-Überfall 2022 und den seitdem im Zuge des langwierigen und zähen Ukrainekriegs zunehmend auftretenden Aggressionen gegenüber NATO-Staaten und deren Reaktion hierauf. Wie gehen wir mit dieser hybrid-subtilen Aggression um? Welche Konsequenzen zieht die NATO, welche Konsequenzen ziehen insbesondere die europäischen Staaten der NATO vor dem Hintergrund der geänderten US-amerikanischen Politik? Welche Anstrengungen unternehmen wir in Deutschland für die Bundeswehr?


Der Admiral verwies in der sich anschließenden Diskussion insbesondere auf die notwendige Umsetzung der Doktrin zu Multi-Domain-Operations (MDO), die militärische Aktivitäten über alle Domänen (Land, Luft, See, Weltraum, Cyber) hinweg synchronisiert, um mit nicht-militärischen Aktivitäten zu kooperieren. In diesem Kontext steht auch der Operationsplan Deutschland. Der Plan zielt darauf ab, militärische und zivile Strukturen zu vernetzen, um auf hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe oder Sabotage vorbereitet zu sein und die Handlungsfähigkeit des Landes zu gewährleisten. Er umfasst die Koordination von militärischen Operationen mit zivilen Unterstützungsleistungen und betrifft somit neben Behörden auch Unternehmen mit systemrelevanter Bedeutung.

 

Manche Maßnahmen sind bereits greifbar, z. B. die Aufstellung der sechs neuen Heimatschutzregimenter unter der Heimatschutzdivision im Jahr 2025 (von denen das HSchRgt 4 in Alt Duvenstedt durch unseren Eutiner Kameraden Oberst d. R. Frank Brand geführt wird). In der sich weiter anschließenden Diskussion ging es um die Wehrpflicht, die technische Ausstattung der Bundeswehr und auch des Heeres sowie die Auswirkungen der in der Ukraine gewonnenen Erfahrungen der Kampfführung der kleinsten Kampfeinheiten mit Drohne, Kommunikation und Cyber auf die Bundeswehr. Kurzum: Es wird sich viel ändern (müssen).


Anekdote des Autors, der im Sommer 2025 während einer Wehrübung im BMVg u. a. unterstützend konzeptionell mit Projektarbeit zur MDO-Umsetzung und Drohne befasst war: Das erste dazu im Eigenstudium gelesene Grundsatzdokument zu MDO „Initial Concept for Multi-Domain Operations“ der NATO trug die Unterschrift „Joachim Rühle“. Man hat dann auch an dem Abend gemerkt, dass er weiß, wovon er spricht!

OTL d. R. Prof. Dr. Arno Probst