Was War – was bleibt?

Gedanken zur Verabschiedung von Militärpfarrer Thomas Dietl

Sechs Jahre – die Zeit verging schnell. Als ich im März 2019 nach Eutin kam, war alles hier für mich neu: Eutin, Bundeswehr, Heer und die Aufklärer. „Eutin sur lac“, das habe ich schnell gelernt, ist ein besonders schöner Ort und hier ist eine besondere Truppe zu Hause.

Ich habe mich schnell eingewöhnt. Angelika Urfels, alte Berufsbezeichnung Pfarrhelferin und nun Militärseelsorgeassistentin, hat mich innerhalb kurzer Zeit in die Besonderheiten einer Dienststelle des Bundes eingearbeitet. Ich muss heute noch an die Einführung in die Ladungssicherung an meinem zweiten Tag denken und ich habe mich damals gefragt, ob meine Entscheidung eigentlich die Richtige war.

Sechs Jahre später weiß ich: Die Entscheidung war gold(gelb)richtig. Ich bin in eine Einsatzarmee mit Fokus auf die Einsätze in Afghanistan, Mali und im Kosovo gekommen, wurde gut und freundlich aufgenommen und habe aus der Perspektive eines Pfarrers die Bundeswehr kennengelernt. Ich erinnere mich gerne an Gespräche und Begegnungen bei Übungen, bei Treffen in der Kaserne, in der Oberlausitz, an anderen malerischen Orten oder an die Chef-Spieß-Seminare. Ich konnte mich schnell identifizieren mit meiner Truppe, dem Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“. Noch kein Jahr da, kam Corona wie ein Prellbock daher. Vieles, fast alles, war vorerst nicht mehr möglich. Keine Gottesdienste, keine Rüstzeiten, Begegnungen mit den sogenannten Kohorten waren nur sehr eingeschränkt möglich. Mein Einsatz zu EUTM in Mali fiel in die Corona-Zeit. Diese Zeit in Koulikoro war sehr bereichernd und belebend mit vielen neuen Erfahrungen und einem neuen Blick auf meinen Auftrag als Militärpfarrer. Die Trennung von der Familie war schwer, gleichzeitig war es eine tolle Zeit mit den Kameraden dort.

Danach konnte es langsam wieder mit den Rüstzeiten losgehen. Ich denke gern an die Zeit und Begegnungen in Berlin, München, Steingaden, Friesland, Harz, Oberlausitz und viele mehr – besonders an die letzte „goldene“ Rüstzeit an Krakau zurück. Das Unterwegs-Sein werde ich vermissen.

Die Einsatzarmee hat sich gewandelt. LV/BV (Landes- und Bündnisverteidigung) steht nun im Fokus des Auftrags und auch mit veränderten Aufgaben und Herausforderungen für den Militärpfarrer.

Durch mein Ausscheiden bin ich jetzt auf der zivilen Seite des Operationsplans Deutschland. Für meine Arbeit stehen jetzt die Überlegungen im Mittelpunkt, was ein Spannungsfall für die Gesellschaft und besonders die Zivilbevölkerung bedeutet. Meine Erfahrungen aus der Bundeswehr nehme ich mit.

„Ich melde mich ab“ – das habe ich in meinem Gottesdienst gesagt, der durch die viele Unterstützung für mich ein besonderer Abschied war. Vielen Dank dafür. Und nun melde ich mich noch einmal schriftlich ab. Danke für die Zeit, für die Gespräche, die Offenheit, den Humor. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und freue mich auf ein Wiedersehen.

Pastor (nicht mehr Militärpfarrer) Thomas Dietl