Wer weiß denn …

... was ein Signaculum ist?

Kurz gesagt ist ein Signaculum eine Art Erkennungsmarke, das römische Legionäre in einem Lederbeutel um den Hals trugen. Jeder kennt sie, jeder hat sie: eine Erkennungsmarke Im Soldatenjargon wird die Erkennungsmarke in Deutschland auch Hundemarke, in Österreich Hundsmarke und in der Schweizer Armee Grabstein genannt.

In Deutschland wurden Erkennungsmarken erstmals zu Beginn des Krieges 1870/1871 vom preußischen König Wilhelm I. eingeführt. Der Erzählung nach soll der Vorschlag von einem Berliner Handwerker gekommen sein, der zu diesem Zeitpunkt mehrere Söhne beim Militär hatte. Anfänglich wurden zum Teil noch selbst gefertigte Marken getragen. Flächendeckend wurden Kennmarken jedoch erst im Ersten Weltkrieg, damals noch ohne Trennschlitz und mit vollem Namen, eingeführt. Die Erfahrungen auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, auf denen Soldaten oftmals bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden und/oder monatelang im Niemandsland nicht geborgen werden konnten, belegten die Notwendigkeit dieser Erkennungsmarken. Noch heute werden Überreste von Soldaten gefunden, die auf Grund ihrer Erkennungsmarke identifiziert werden können.

Zum Beispiel:

Erkennungsmarke des Garde-Regiments.
Die abgebildete Erkennungsmarke links wurde während des Ersten Weltkrieges an einen Soldaten des Ersten Garde-Regiments ausgegeben. Die Markierung „Anton Stamnitz. Spandau 6.5.95 Ers Batt.1 Gard. Jnf.Leib / K.K.R.1.G.J Nr.455“ bedeutet:

„Name: Anton Stamnitz Geboren in Spandau Datum: 6. Mai 1895 im Kombinierten Kavallerie-Regiment der 1. Garde-Infanterie-
Division Nr. 455“.  

Erkennungsmarke des Deutsches Heeres im 1. Weltkrieg:
Die Marke besteht aus Aluminium. Zum Schutz der Haut des Trägers steckte sie in einer Hülle aus weichem Leder. Die Markierung bedeutet:
Name, Geburtsort, Geburts-datum und Einheit: Reserve-
Infanterie-Regiment 264,
5. Kompanie.

Erkennungsmarke in der Wehrmacht und im 2. Weltkrieg:
Die abgebildete Erkennungsmarke wurde während des Zweiten Weltkrieges an einen Soldaten der Wehrmacht ausgegeben. Die Markierung – 7. Jnf./F / Ausb. Rgt.719 – Nr. 94 0 bedeutet:
7. Kompanie Infanterie Feldausbildungsregiment 719 – Register Nr. 94 – Blutgruppe 0.

Erkennungsmarke der Nationalen Volksarmee der DDR:
Auf der Erkennungsmarke der NVA steht auf der Vorderseite neben dem Länderkennzeichen „DDR“ die Personenkennzahl des Armeeangehörigen. Auf der Rückseite ist die Blutgruppe vermerkt. Die Personenkennzahl setzt sich zusammen aus dem
Geburtsdatum (TTMMJJ), dem Geschlecht (in diesem Fall 4 für männlich) und der lebenslangen Personennummer.

Erkennungsmarken der Bundeswehr
sind allgemein bekannt, aber auch diese trägt den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Neuzeit Rechnung.
In älteren EKM (bis 2007) war GE für Germany gestanzt. Diese EKM sind wegen des Namenskonflikts mit Georgien nicht mehr zulässig und wurden ausgetauscht. Heute ist als Nationalität DEU eingeprägt.

Bis 2011 wurde unabhängig von der tatsächlichen Religionszugehörigkeit die betreuende MilSeelsorge eingetragen:

    EV     für Evangelische MilSeelsorge
    K    für Katholische MilSeelsorge

Auf Wunsch des Soldaten konnte allerdings auch die eigene Religionsgemeinschaft eingetragen werden wie:   
    O    für christlich-orthodox
    ISL    für islamisch
    JD    für jüdisch
    BD    für buddhistisch
    HD    für hinduistisch

Für atheistische Soldaten oder auf ausdrücklichen Wunsch blieb das Feld frei.

Seit 2011 wird gem. interner Anweisung des BMVg durch die Grundausbildungseinheiten generell keine Religionszugehörigkeit mehr auf der Erkennungsmarke eingetragen. Dies geschieht zur NATO-weiten Vereinheitlichung der auf der EKM enthaltenen Informationen.

W. Hertz